Christliche Kunst mit Tiefgang

Bei Wolfgang Vogls dreibändigem Werk handelt es sich mitnichten um ein „Coffee table book“ – so nennt man im angelsächsischen Raum großformatige, unhandliche Bücher im Hochpreissegment, die brillant photographierte Bilder künstlerisch ansprechender Objekte mit einem Minimum an Text verbinden, wenngleich sie zuweilen von einem renommierten Professor der Kunstgeschichte verfaßt wurden. Das Wort ist pejorativ und kommt mit leicht erhobenem Zeigefinger daher: Inhaltslosigkeit und der Hang zu Protzerei schwingen bei dieser Bezeichnung durchaus mit – das Buch als reines Ausstattungsstück, als teures Divertimento, bar jeder Einladung zu intellektueller Askese und Anstrengung.

Vogls Trilogie ist ein Opus magnum mit Tiefgang. Die Bücher liegen schön in der Hand, die Abbildungsqualität ist ausgezeichnet, der Preis ist unschlagbar günstig. Der Autor, Professor für Spirituelle Theologie an der Universität Augsburg, hat für jeden Sonntag jeweils im Lesejahr A, B und C (und darüber hinaus zu den Hochfesten) ein Bild aus der europäischen Kunstgeschichte ausgewählt und es auf mehreren Seiten interpretiert. Behandelt wird überwiegend Buch- und Tafelmalerei, auch Fresken kommen vor. Die Schwerpunkte liegen (ganz klassisch) auf der deutschen, italienischen, französischen und niederländischen Kunstlandschaft. Fast ausschließlich werden sehr bekannte, in ihrer Qualität anerkannte und von der kunsthistorischen Literatur gut erschlossene Werke traktiert, eben „Meisterwerke“. Das Buch nennt sich „Meisterwerke der christlichen Kunst“ und zeigt schon im Titel (sogar typographisch) seinen durchaus konservativen Anstrich – wird doch der Begriff der Meisterschaft von den zeitgenössischen Kunst- und Bildwissenschaftlern nicht gerne gehört. Vogls Buch ist von keinerlei „iconic turn“ aus der Kurve getragen worden. So deckt denn die Bildauswahl die klassische Kunstgeschichte insbesondere der Zeit vor 1800 ab – was aber überhaupt nicht schlimm ist, hat doch die christliche Kunst vor der Französischen Revolution die Kunst in stärkster Weise dominiert. Der Autor stellt kurz das Evangelium des betreffenden Tages vor und geht dann in die Analyse des Bildes. Hierbei besticht seine gründliche Recherche ebenso wie seine souveräne, vorwiegend ikonographische, wohl an Erwin Panofsky geschulte Interpretationsweise. Das Buch ist von bleibendem Wert, insbesondere weil nicht nur versucht, die Bilder wirklich zu analysieren, sondern auch den geistigen und geistlichen Gehalt derselben erschließt. Dankbar kann man sein für den Anmerkungsapparat wie für die erhellende Aufzählung an kunsthistorischer Literatur, aber auch an verwendeten Primärquellen.

Nicht zuletzt ist das dreibändige Werk ein spiritueller Gewinn. Es macht die Bilder lebendig, bettet sie ein in das Beten und Betrachten der Kirche. Hier muss gar nicht auf Repräsentationslust und Prunksucht der Auftraggeber rekurriert werden. Die „Ars sacra“ verweist auf etwas Höheres, Anderes. Diesen Aspekt hat Vogl meisterhaft in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. 

Eugenius Lersch

Vogl, Wolfgang: Meisterwerke der christlichen Kunst. Lesejahr C, Zu den Schriftlesungen der Sonntage und Hochfeste, Verlag Friedrich Pustet 2018, 680 Seiten, durchgehend farbig bebildert, € 35,- ISBN: 978-3791729992

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