• Alltagsfähige Mystik

    Das mystische Erbauungsbuch der „Nachfolge Christi“ zählt trotz seines ehrwürdigen Alters zu den zeitlosen Klassikern spiritueller Literatur. Selbst unter Protestanten und Nichtchristen fand das Werk des Augustiner-Chorherren Thomas von Kempen großen Anklang, sodass es nach der Bibel als das weit verbreitetste Buch gehandelt wird. Peter Dyckhoff legt im Benno-Verlag eine neue, am heutigen Verständnis orientierte Übersetzung vor, die keinen Anspruch auf explizite wissenschaftliche Genauigkeit erhebt, wie der katholische Priester im Vorwort offen bekennt, sondern in klarer Sprache das „überaus kostbare Gedankengut und die Glaubenserfahrung“ des Thomas von Kempen in unsere Zeit überträgt. Die „Nachfolge Christi“ gibt eindrückliche Leitfäden für das geistliche Leben, betont die Loslösung von der „vergänglichen Welt“ und…

  • (K)ein unbekannter Gott

    P. Martin Ramms Schriften sind immer eine lohnenswerte und geistreiche Lektüre. Sein jüngstes Werk beschäftigt sich mit dem Heiligen Geist, der nach Kardinal Newman für eine zunehmend größere Anzahl von Christen jener „unbekannte Gott“ geworden ist, den Paulus nach Athen getragen hatte. Nun trägt Ramm keineswegs Eulen nach Athen, zumal das europäische Christentum in einer tiefen Identitätskrise steckt und „Christsein“ zum sinnentleerten Wort geworden ist. Der Volksmissioniar betont die innere Abhängigkeit zwischen Christen und dem Heiligen Geist: Ist er es doch, dessen Salbung der Seele die heiligmachende Gnade schenkt und den Verstand mit seinem übernatürlichen Licht erleuchtet. In belebenden sowie reichhaltigen Gedanken erschließt Ramm einen Zugang zum Heiligen Geist, einer…

  • Die Heiligen sprechen für sich

    Kaiser Diokletian fasste während der letzten Christenverfolgung des Römischen Reiches das perfide Kalkül, nicht bloß jene Christen hinzumartern, die den Staatsgöttern nicht opfern wollten, sondern auch historische Textzeugnisse zu vernichten, die frühen Märtyrer dem verzehrenden Feuer der Damnatio memoriae zu überlassen. Die junge Kirche sammelte die fromme Erinnerung der Blutzeugen in ihren Legenden, mit dem großen Nachteil, dass einer Heiligenvita die historische Faktizität abhanden gekommen ist. Eberhard von Gemmingens jüngstes Buch stützt sich nicht auf die Vergangenheit, den Heiligen versperrt keine Legende den Zugang zur Gegenwart. Der ehemalige Leiter von Radio Vatikan wählt einen rhetorischen Trick, um die Stimme der Heiligen wieder zu Gehör zu bringen: seine Predigten und Morgenandachten…

  • Titelbild: Thorsten Dietz - Sünde

    Neues Verständnis für einen toten Begriff

    Thorsten Dietz ist Professor für Systematische Theologie an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg. Er studierte Theologie in Münster, Tübingen und Marburg (wo er promovierte und sich habilitierte). Sein Buch über Sünde schrieb er „in erster Linie für Christen“ (5); denn mitunter spüren Christen, dass sie das Thema Sünde „nicht mehr gut erklären können“ (5). Dabei vermisst man in seinem Buch allerdings eine Zusammenfassung, d.h. die vielen angeschnittenen Einzelaspekte werden nicht gebündelt zu zentralen Antworten, die der christliche Leser nun aufgreifen könnte für Gespräche mit Andersdenkenden, etwa über die Frage „Was Menschen heute von Gott trennt“ (so der Untertitel). Der Hauptteil des Buches besteht aus sieben Kapiteln (3 bis 9),…

  • Titelbild: Martini - Gott spricht durch sein Handeln

    Gottes Wirken im eigenen Leben

    Für Carlo Maria Martini ist klar: Gott selbst hat den Traum von einer anderen Welt, so dass auch wir „von einem anderen Leben träumen dürfen“. Zu dieser Gewissheit gelangt der frühere Erzbischof von Mailand, indem er die Tätigkeitswörter untersucht, durch welche Gott in der Bibel charakterisiert wird. Dann sieht man: Es gibt einen Traum Gottes von einer anderen Welt, dem „Reich Gottes“, dafür stehen die Handlungen Gottes und die Wunder Jesu. Kardinal Martini, der 2012 starb, hatte nach seiner Zeit als Erzbischof von Mailand lange in Jerusalem gelebt, hier hielt er im Jahr 2007 auch diese Exerzitien über die „Verben Gottes“, die nun erstmals veröffentlicht werden. In der Heiligen Schrift…

  • Den Schmerz durchbrechen

    Die sieben letzten Worte Jesu gehören zu seinen existenziellen Worten, bilden sie doch den Höhepunkt des Dramas, das mit Marias „Ja“ begann und bis heute fortdauert. Der Dominikaner Timothy Radcliffe meditiert sie weise und lebensdienlich, sodass sie den Geruch verlieren, Leiden zu glorifizieren. Dadurch können sie auch für skeptische Christen wieder zu Worten des Lebens werden. Ihren vollen Sinn erhalten sie durch die Auferstehung. Der Tod konnte Jesus – das Wort Gottes – nicht zum Schweigen bringen, vielmehr haben seine Worte das Schweigen des Grabes gebrochen. Deshalb können wir uns von ihnen tragen lassen, ist Radcliffe überzeugt, „was auch immer uns bevorsteht: Scheitern, Verlust, Schweigen und Tod.“ An keinem Wort…

  • Ethik des Besseren

    Matthias Beck setzt sich mit einem Thema auseinander, das in der heutigen Gesellschaft ambivalent präsent ist. Freiheit wird oft missverstanden bzw. immer wieder zu relativieren versucht. Freiheit und Christentum widersprechen sich laut Meinung vieler Menschen sogar. Beck beweist in seinem Buch, dass dieses Denken durchaus ein Irrtum ist und dass sich der Christ zu einem völlig freien Mensch entfalten kann. Am Anfang des Buches finden sich eine Hinführung und einige Überlegungen zum Thema „Ethik“ und „Moral“. Wo liegt der Unterschied zwischen den beiden Begriffen? Welche inneren und äußeren Haltungen werden als Maßstab für das ethische Handeln benutzt? Beck erinnert daran, dass sich neben der philosophischen Ethik auch die Religionen mit…

  • Update: Schatz im Acker

    Der im Sommer 2011 erschienene Jugendkatechismus „YOUCAT“ hat eine erstaunliche Erfolgsgeschichte zu verzeichnen, in nur zwei Jahren wurden weltweit in über 30 Sprachen etwa 2,5 Millionen Exemplare gedruckt. Ein Jugendgebetbuch und ein Firmkurs im gleichen Konzept erweiterten das Angebot, weitere Bücher folgten, etwa eine Auswahlbibel oder eine Einführung in die katholische Soziallehre unter dem Titel „Docat“. Besonders interessant ist in jedem Fall auch das jetzt vorgelegte kleine Büchlein „Youcat Update! Beichten!“, das sich ausschließlich dem Bußsakrament widmet, welches sich seit einigen Jahrzehnten zweifellos in einer gewissen Krise befindet. Frühere Generationen hatten mit der Beichte oft keine sehr guten Erfahrungen gemacht, nicht selten war sie als pädagogisches Druckmittel missbraucht worden. Doch…

  • Im Kochtopf des Kannibalen

    Es gehört wohl zum Schutzmechanismus der menschlichen Psyche, dass wir, ohne aktives Sensorium dafür zu entwickeln, den permanenten Feuerzauber unserer Umwelt kaum mehr wahrnehmen. Allen voran hüllt uns die Kanonade des Konsumwettrauschs in dichte Nebelschwaden. Ein Geist bahnt sich vom Unbewussten ins Unterbewusste seinen Weg und öffnet von innen die Tür für eine Geistesströmung, die sinuskurvenförmig anziehende und abstoßende Wirkung erzeugt. Weil niemand dieses Geistes habhaft werden kann, nennen wir ihn „Zeitgeist“, zumal die Zeit ebenso allgegenwärtig und unbändig ist. Kirstine Fratz versucht in ihrem Buch, den Nerv der Zeit zu treffen, nämlich durch die Hinterfragung greifbarer Phänomene auf eine kulturelle Metaebene vorzudringen und unsere gesellschaftliche Triebfeder zu finden. Wer…

  • Antwort auf den Sinnhunger unserer Zeit

    Jeden Sonntag erklimmt der Wiener Kardinal Schönborn eine eminent prominente Kanzel. Knapp 3 Millionen „Zuhörer“ können seinen Gedanken lauschen, wenn der Dominikanerbischof für die Sonntagsausgabe der größten Tageszeitung Österreichs eine kurze Auslegung zum Sonntagsevangelium verkündet. Schönborn verkörpert als Schüler des hl. Dominikus das Diktum des Aquinaten: „contemplari et contemplata aliis tradere“ (sich der Kontemplation widmen und die Frucht der Kontemplation weitergeben). Vom ersten Fastensonntag bis Pfingsten der Lesejahre A/B/C fasst der vorliegende Band kurze Auslegungen zu den Evangelien zusammen und stellt jeweils die aktuelle Perikope voran. Für den Kardinal ist das Wort Gottes stets lebendig, eine „unerschöpfliche Quelle“, die immer neu ausgeschöpft werden will, zu die der Christ immer wieder…