• Einfältige Charismatik?

    Der 1767 heiliggesprochene Franziskaner-Konventuale Josef von Copertino (1603-1663) ist bekannt als der „Heilige der Flüge“ und war im 17. Jahrhundert bei Volk, Adel und Klerus auch durch andere Wundertätigkeit einer der populärsten Männer der Kirche. Es ist vielfach glaubwürdig bezeugt, dass Bruder Josef an die 70 Mal frei in der Luft geschwebt hat und damit über die Gnadengabe der Levitation/Elevation verfügte. Seine Heiligkeit bestand aber nicht darin, sondern in der Art, wie er sich demütig, geduldig und „heroisch“ den Anweisungen der Inquisition und seiner Oberen fügte. Walter Nigg nahm ihn auf in sein bekanntes Buch „Große Heilige“ und widmete ihm dort unter dem Titel „Der einfältige Charismatiker“ ein schönes Porträt.…

  • Dichter im Feuer und Sturm des Geistes

    Noch immer ist Friedrich Hölderlin, dessen 250. Geburtstag am 20. März 2020 begangen wurde, schwer zu vermitteln. Wer nicht an seinen Elegien das Feuer der Begeisterung fängt, wer nicht offen für „Göttliches“ ist, dem wird wohl kaum eine Annäherung gelingen – wie auch sein jüngster Biograf im Vorwort festhält. Dem ahnungslosen und böswilligen Rezensenten des „Spiegel“ hat dieser Satz gereicht, um das ganze Buch abzulehnen. Nichtsdestotrotz ist Rüdiger Safranski wieder ein großer Wurf gelungen, der die Reihe seiner anderen populären Bildungsschriften erweitert – seien es die einzigartigen Biografien über E.T.A. Hoffmann, Schopenhauer, Heidegger, Nietzsche, Schiller und Goethe, oder thematische Abhandlungen über das Böse, die Wahrheit, die Zeit und die Romantik.…

  • Der Kaplan der Solidarnosc

    Endlich liegt eine deutschsprachige Biografie des am 19. Oktober 1984 ermordeten mutigen Priestermärtyrers Jerzy Popieliszko vor. Die promovierte polnische Journalistin Anna Meetschen macht dies mit ihrem deutschen Ehemann Dr. Stefan Meetschen im Kisslegger Fe-Verlag, wo schon mehrere ihrer Heiligen-Biografien erschienen sind, möglich. Der bekannte Bonner Publizist Martin Lohmann verfasste ein Vorwort. Die polnische Sekundärliteratur wurde von Meetschen genau rezipiert. Der damalige „Kaplan der Solidarnosc“ wurde am 14. September 1947, also am katholischen Fest der Kreuzerhöhung, im ostpolnischen Dorf Okopy geboren. Nach der Schulzeit, in der er seine Priesterberufung wegen des herrschenden Kommunismus verborgen halten musste, ging er ins Warschauer Priesterseminar, das günstiger als das Seminar in Bialystok war. Doch zuerst…

  • Titelbild Dietrich Bonhoeffer - Auf dem Weg zur Freiheit

    Theologenbiographie zu Bonhoeffer

    Angesichts einer Überfülle von Biographien über Dietrich Bonhoeffer potenzieren sich die Erwartungen, wenn der federführende Mitherausgeber der historisch-kritischen Neuauflage von Bonhoeffers Werken ein neues Buch auf den Markt bringt. Wolfgang Hubers Intention ist es, ein Porträt, eine spezifische Perspektive des im KZ ermordeten lutherischen Theologen herauszubilden. Der Berliner Professor rückt das unvollendet-wirkmächtige Denken Bonhoeffers in den Fokus seiner prägnanten Betrachtung und beleuchtet sohin tragende Gewissheiten des Glaubenszeugen, um Veränderungen in seinem Denken nachvollziehen zu können. Bei kaum einem anderen Theologen ist die Einheit von Via und Vita, von Lebensgeschichte und Denkweg, von Theologie und Biographie so intensiv verwoben wie bei Bonhoeffer. Ethisches Denken steht bei Bonhoeffer immer in Korrelation mit…

  • Eine Stimme in der Wüste

    Zum 100. Geburtstag von Hans Scholl, dem politischen und agitatorischen Kopf der antinazistischen Widerstandsbewegung „Weiße Rose“, erschien eine Biografie des Kaufbeurener Studiendirektors und Publizisten Jakob Knab, der für den christlichen Widerstand und eine demokratisch-freiheitliche Erinnerungskultur ein ausgewiesener Fachmann ist. Die gut lesbare Veröffentlichung schildert anhand der vorliegenden und nachgewiesenen Quellen das Leben Hans Scholls von der Kindheit über eine Zeit in der Hitlerjugend, über Leseinteressen und Begegnungen bis zur Formierung des Widerstands in Flugblättern und zur Ermordung zusammen mit seiner Schwester und seinen Freunden durch den Staat Hitlers. Diesen sah er als eine „Diktatur des Bösen“, in der auch der Tyrannenmord christlich gerechtfertigt wäre. Besonders herausgearbeitet werden neben den Kriegserfahrungen…

  • Titelbild Martin Lohmann - Wittmann Georg Michael-Rahmen

    Wegweiser und Leuchtgestalt

    Der aus Pleystein in der Oberpfalz stammende Regensburger Weihbischof Georg Michael Wittmann (1760-1833) war designierter Nachfolger des großen Regensburger Bischofs Johann Michael Sailer (1751-1832) und verstarb im Ruf der Heiligkeit, kurz bevor er die Nachfolge antreten konnte. Bis heute wird sein Grab im Regensburger Dom von Betern besucht und mit Blumen geschmückt. Seit 1955 betreibt das Bistum Regensburg seinen Seligsprechungsprozess. Im Auftrag des jetzigen Bischofs Rudolf Voderholzer und des Vizepostulators Msgr. Georg Schwager hat der bekannte Bonner theologische Publizist Martin Lohmann nun im Pustet-Verlag eine handliche Biografie des gelehrten und tieffrommen Weihbischofs vorgelegt. Er galt und gilt als „Apostel von Regensburg“, so wie Clemens Maria Hofbauer zeitgleich als „Apostel von…

  • Josef Kentenich: Apostel, Pädagoge, sanfter Rebell

    Eine lesbare ausführlichere Biographie des ehemaligen (bis 1965) Pallottinerpaters Josef Kentenich (1885-1968), des Gründers des marianischen Wallfahrtsortes Schönstatt bei Vallendar /Rh. und der von dort ausgegangenen internationalen apostolischen Schönstattbewegung, ist seit langem ein Desiderat. Es gibt viele Einzelstudien zu seiner Person und seinem Werk, historische Skizzen, Lexika und auch ein wissenschaftlich arbeitendes „Josef-Kentenich-Institut“ (JKI), aber außerhalb der eigenen Verlage in Vallendar keine breitere Darstellung des charismatischen Gründers. Jetzt publiziert 50 Jahre nach dem Tod Josef Kentenichs der Herder-Verlag eine spannende erzählerische Biographie aus der berufenen Feder von Dorothea M. Schlickmann, die sich durch ihre ausgezeichnete Dissertation zur Pädagogik Kentenichs („Die Idee von der wahren Freiheit“, Vallendar ³2007) und ausführliche biographische…

  • Die Geschichte eines Kirchenvaters

    Mit dem 28. Februar 2013 endete vor sechs Jahren das am 19. April 2005 begonnene Pontifikat des bayerischen Theologenpapstes Benedikt XVI. und ist damit Kirchengeschichte. Das Schreiben einer großen Biographie ist daher bereits möglich, zumal der Protagonist als „emeritierter Papst“ sich selbst Schweigen und kirchenpolitische Enthaltsamkeit auferlegt hat. Elio Guerriero, Jg. 1948, ist wie kaum ein anderer Autor durch seine langjährige Verbundenheit mit Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. in Theologie und kirchlicher Zeugenschaft dazu prädestiniert, Viele Jahre war er Schriftleiter der italienischen Ausgabe der von Ratzinger mitbegründeten „Internationalen Katholischen Zeitschrift Communio“ und verfasste mehrere Biographien, u.a. über Ignazio Silone, Hans Urs von Balthasar und Gianna Molla. Nun legt der Herder Verlag Freiburg…

  • Revolutionär der Medien

    Unvorstellbar, welche historischen Marksteine sich ohne seine Erfindung gar nicht ereignet hätten oder auf anderen Umwegen passiert wären: die Reformation, der 30-jährige Krieg, opulente Hoffeste, Musik und Theater, die Aufklärung, die Französische Revolution, die Revolution von 1848 usw. Auch die von uns so gut in Erinnerung gebliebenen Gute-Nacht-Geschichten unserer Eltern hätte es nicht in dieser Form gegeben. All diese Ereignisse wurden initiiert, angefacht und weitergetragen durch das gedruckte Wort und Bild – vervielfältigt durch den Buchdruck mit beweglichen Lettern – DER Erfindung von Johannes Gutenberg aus Mainz. Das Buch Johannes Gutenberg. Mann des Jahrtausends von Maren Gottschalk begibt sich auf eine spannende Entdeckungsreise zur Person und seiner bahnbrechenden Erfindung. Dabei…