Lebendiges Kommuniongebet

Wenngleich jeder Gläubige sich durch persönliche Gebete und stille Betrachtung auf die Messfeier vorbereiten und im Anschluss danksagen kann, so ist es doch sehr hilfreich, dafür geeignete Kommuniongebete zu nutzen. Seit längerer Zeit können Priester, die des Lateinischen ausreichend mächtig sind, das Büchlein des Kölner Adamas Verlags mit dem Titel „Preces selectae“ für die Vorbereitung und Danksagung verwenden. Ein für Priester und nicht geweihte Gläubigen gleichermaßen geeignetes Büchlein mit aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzten Kommuniongebeten hat Marianne Schlosser, Universitätsprofessorin für Theologie der Spiritualität an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, herausgegeben.

Für jeden Tag eines Monats enthält es 31 Betrachtungen über das Geheimnis der Eucharistie. Entsprechend trägt es den Titel „Mensis eucharisticus“ – „Der eucharistische Monat“. Das 1737 in Florenz erschienene Büchlein, das 2011 bereits in einer lateinisch-italienischen Ausgabe vom Vatikan neu herausgegeben worden ist, eignet sich für alle Gläubigen – geweihte wie nichtgeweihte – zur Vorbereitung auf die heilige Messe und die Danksagung nach der Feier. „Die Betrachtungen werden … aus der Perspektive der glaubenden Seele unternommen, die von Christus beschenkt wird, also aus der Perspektive des Empfängers. Daher können sie für alle Gläubigen Anregung sein“, schreibt die Herausgeberin in ihrem Vorwort.

Inhaltlich richten sich die aus der heiligen Schrift inspirierten Betrachtungen des jeweiligen Tages auf eine Eigenschaft Jesu, wie z. B. den König, den Lehrer, den Hohenpriester, den Hirten, den Bräutigam oder den Erlöser. Jeder dieser christologischen Eigenschaften sind drei Punkte zur Vorbereitung („Wer kommt?“; „Zu wem kommt er?“; „Wozu kommt er?“), eine kurze „Erhebung des Herzens“ und drei Gedanken zur „Danksagung“ mit abschließender erneuter „Erhebung des Herzens“ zugeordnet. Entsprechend den drei Fragen bei der Vorbereitung auf die heilige Messe und den Empfang der heiligen Kommunion soll der Gläubige „die Person Christi betrachten und das eigene Verhältnis zu ihm“, erklärt Marianne Schlosser. Den Abschluss sowohl der Vorbereitung als auch der Danksagung bildet jeweils ein kurzes Gebet, das sich eng an der Heiligen Schrift orientiert. „Überhaupt fällt auf“, so Marianne Schlosser, „dass die einzelnen Betrachtungen durchgehend aus Schriftworten gewoben sind“.

Man beklagt zuweilen die „Wortlastigkeit“ der Messfeier nach dem Ordo Missae Pauls VI., der ordentlichen Form des Römischen Ritus. Gleichwohl ist auch in diese Form genügend Raum für das sacrum silentium, die „geweihte Stille“, vorgesehen: vor dem Bußakt, den Präsidialgebeten (Tages-, Gaben- Dankgebet), nach den Lesungen und gegebenenfalls der Homilie sowie nach dem Empfang der heiligen Kommunion. Auch muss in diesem Zusammenhang das stille Gebet des Priesters vor der Verkündigung des Evangeliums sowie vor und nach dem Kommunionempfang erwähnt werden. Die Kommuniongebete in „Mensis Eucharisticus“ helfen allen Gläubigen, schon vor der Messe still zu werden, in sich einzukehren und ihr Herz zu öffnen für den, den sie in der Heiligen Kommunion empfangen: Christus mit seiner Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele. Diese Stille soll nach der Messe nicht abrupt abbrechen, sondern nachwirken in einem geziemenden, freudigen Dank für die empfangene Gabe und in der Bitte um eine für den Alltag segensreiche Kommunion. Eine Hilfe dazu bietet das hier rezensierte Büchlein „Mensis eucharisticus“.

Die Feier der heiligen Eucharistie ist Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens der Kirche, sagt das Zweite Vatikanische Konzil in seiner Kirchenkonstitution Lumen gentium (11). Alles Tun der Kirche als Ganzes, sowie jedes einzelnen Gläubigen entspringt aus der heiligen Messe und führt zur ihr zurück. Darum ist die Feier der heiligen Eucharistie ein besonderes geistliche Geschehen, auf das sich alle – Priester und Gläubige – vorbereiten sollen.

Was die Priester angeht, so heißt es im Kirchlichen Gesetzbuch (CIC/1983): „Der Priester darf es nicht versäumen, sich durch Gebet auf die Feier des eucharistischen Opfers geziemend vorzubereiten sowie nach der Feier Gott Dank zu sagen.“ (can. 909). Auch wenn es keine entsprechende Norm für die Gläubigen gibt, so gilt selbstverständlich auch für sie, sich auf die Messfeier passend vorzubereiten und nach der Feier Gott dankzusagen; vereinen sich doch die Gläubigen mit dem Priester, der in der Person Christi das Opfer vollzieht, in der Darbringung des eucharistischen Opfers.

Das vorbereitende Gebet zielt auf die Opfergesinnung, mit der Priester und Gläubige – freilich auf je eigene Weise – sich in und mit Christus dem Vater darbringen sollen. In der Danksagung geht es darum, sich in Erinnerung zu rufen, was Priester und Gläubige gefeiert haben, und Gott freudig zu preisen wegen der Gnade des eucharistischen Opfers.

Gero Weishaupt

Schlosser Marianne: Mensis Eucharisticus. Kommuniongebete aus dem 18. Jahrhundert. Be&Be-Verlag 2017, 107 Seiten, € 9,- ISBN: 9783903118256

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

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