Lebenswelt der Zisterzienser

Im November 2007 kamen Forscher unterschiedlicher Disziplinen unter dem Titel „Aktuelle Wege der Cistercienserforschung“ in Stift Heiligenkreuz zusammen. Anlass war die Gründung des Europainstituts für cisterciensische Geschichte, Liturgie und Spiritualität (EUCist) an der Hochschule Benedikt XVI., das sich auf die Fahnen geschrieben hat, „die Kräfte interessierter Cistercienserforscher und -forscherinnen aus allen Teilen der Cistercienserfamilie [zu] bündeln und die vielen Initiativen, die sich bereits mit den Zisterziensern beschäftigen [, zu] integrieren und koordinieren“ (Homepage).

Geradezu musterhaft findet sich dieses programmatische Ansinnen in dem gewichtigen hier zu rezensierenden Werk umgesetzt. Unter dem Titel „Die Lebenswelt der Zisterzienser. Neue Studien zur Geschichte eines europäischen Ordens“ sammelt der Herausgeber Joachim Werz sage und schreibe 31 Aufsätze auf insgesamt 876 Seiten, sämtlich von renommierten Forscher(inne)n, die sich in den letzten Jahren mit „cisterciensischen“ Themen im engeren oder weiteren Sinne befasst haben. Dabei wurde offenkundig jedem Autor die Möglichkeit gegeben, ein Thema aus seinem jeweiligen Spezialgebiet zu wählen, woraus eine außerordentliche thematische wie methodische Bandbreite resultiert. Der umfassend interdisziplinäre Ansatz, der sich aus dieser Herangehensweise zwangsläufig ergibt, ist die große Stärke des Sammelbandes. Das Problem, diese bewusst sehr disparaten Beiträge dennoch in einer sinnvollen Gesamtgliederung zusammenzufassen, löst der Herausgeber durch eine grobe Gliederung nach Themen (und innerhalb dieser Gliederungspunkte einigermaßen chronologisch), wobei eine eindeutig schlüssige Zuordnung zu den Themenfeldern nicht immer möglich ist.

Betontes Ziel ist es, nicht nur aktuelle Forschungstendenzen abzubilden und neue Forschungsergebnisse zu präsentieren, sondern vor allem auch „auf weitere inhaltliche und methodische Wege für die zisterziensische Ordensforschung [zu] verweisen“ (11). Die fachliche Bandbreite reicht von diversen theologischen Disziplinen über vergleichende Ordensgeschichte, Kunstgeschichte und Archäologie bis hin zu Literatur-, Theater- und Musikwissenschaft. Historisch ist der Zeitraum von der Ordensgründung bis in die Gegenwart erfasst. Monographische Detailstudien sind ebenso vertreten wie übergreifend vergleichende Fragestellungen.

Der Zugang wird erleichtert durch kurze Abstracts (deutsch/englisch) am Ende eines jeden Aufsatzes. Durch die umfassenden Register und Verzeichnisse am Schluss (Personen-, Orts- und Sachregister) stellt der Band ein ergiebiges, gut benutzbares Arbeitsinstrument für zukünftige Forschung dar.

zum kapitelbasierenden Rezensionsteil

Zugleich versteht sich das Buch als Festschrift für den Leiter des EUCist, Prof. P. DDr. Alkuin Volker Schachenmayr O.Cist, zum 50. Geburtstag. Diese Verknüpfung ist nur konsequent, hat sich der Geehrte doch in besonderer Weise um die Cistercienserforschung verdient gemacht – und zwar genau indem er immer wieder auf die Forschungsdesiderate und die Notwendigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit verweist und ausgiebig seinen eigenen Beitrag zur Schließung dieser Lücken leistet. Dass ein besonderer Fokus des vorliegenden Bandes auf Stift Heiligenkreuz liegt – sowohl thematisch als auch was die Herkunft der vertretenen Autoren betrifft –, mag an diesem personellen Bezug liegen. Insgesamt sind jedoch, ganz im Sinne der EUCist-Idee, internationale Forschende inner- und außerhalb des Ordens vertreten.
Aktuelle Forschungen zum Cistercienserorden stehen auch im Zentrum des Interesses der Analecta Cisterciensia. Aus diesem Grund scheint dieses Organ die geeignete Stelle, in einer Rezension etwas umfangreicher auszuholen und zumindest ansatzweise auch auf die zahlreichen einzelnen Beiträge einzugehen – nur so ist es möglich, die große Vielfalt angemessen wiederzugeben.

Unter dem 1. Punkt „Wissenschaft und Politik“ finden sich zunächst zwei theologische Aufsätze, die sich mit dem hl. Bernhard befassen, aus moraltheologischer (Michael Clement: „Verantwortung für sich und die Welt wahrnehmen. Bernhard von Clairvaux und die Moraltheologie“, 20–40) und frömmigkeitstheologischer bzw. rezeptionsgeschichtlicher (Volker Leppin: „Bernhard als Frömmigkeitstheologe. Beobachtungen zur Wahrnehmung Bernhards von Clairvaux nach Drucken im deutschen Sprachraum bis 1520“, 41–62) Perspektive. Uli Steiger liefert unter dem Titel „Klosterbibliothek und Aufklärung. Der Bucherwerb der ehemaligen Reichsabtei Salem im 18. Jahrhundert“ (63–92) eine vor allem anhand von Bibliothekskatalogen erarbeitete exemplarische Studie über den Bibliotheksbestand eines Cistercienserklosters als „Gradmesser für den Stand der Aufklärung“.

Punkt „2. Wirtschaft und Politik“ versammelt vor allem quellenbasierte monographische Detailstudien zu einzelnen Klöstern, die zum einen Forschungslücken zum jeweiligen Kloster zu schließen versuchen, darüber hinaus aber auch die Einbindung in übergreifende Fragestellungen im Blick behalten. Auf der Basis umfangreicher Quellenrecherchen kann der Beitrag von Simon Sosnitza („Die Äbte des Klosters Michaelstein (1146–1237). Eingebunden in die Politik des Nordharzes“, (94–113) nicht nur den unvollständigen Abtskatalog des Klosters um weitere Erkenntnisse ergänzen, sondern auch die Tätigkeit der Äbte im Kontext der (lokalen) weltlichen und geistlichen Politik betrachten. Unter dem Titel „Die ökonomischen Grundlagen der Zisterzienser von den Anfängen bis ins 14. Jahrhundert. Eine Forschungsreflexion am Beispiel des Grangienwesens“ (114–131) liefert Christian Stadelmaier einen methodisch-reflektierenden Überblick über die jüngere Forschung zum Thema Wirtschaftsgeschichte des Ordens. Am konkreten Beispiel befasst sich Maria-Magdalena Rückert mit diesem Thema: „Die Wirtschaftsweise im Zisterzienserkloster Schöntal an der Jagst im Mittelalter“ (132–150) – eine quellenbasierte Detailstudie, die von profunder Kenntnis der Materie zeugt. Auch Monika Lücke („Das Zisterzienserinnenkloster Kelbra zwischen Schwarzburgern und Stolbergern“, 151–167) untersucht, fußend auf akribischer Quellenarbeit, die wirtschaftliche Einbindung des Klosters in sein Umfeld, in diesem Fall in der Zeit nach dessen eigentlicher Auflösung. Sepp Gmasz schlägt mit seiner speziell auf Heiligenkreuz bezogenen Einzelstudie zum Thema „Der Mönchhofer Stiftsverwalter P. Adalbert Winkler O.Cist. als homo politicus in der Zeit des Burgenland-Anschlusses an Österreich (1919–1921)“ (168–182) den Bogen ins 20. Jahrhundert.

In Punkt „3. Frömmigkeit und religiöse Praxis“ zeigt sich besonders gut der interdisziplinäre Ansatz des Bandes, reihen sich hier doch historische und theologische Themen besonders stimmig aneinander, wobei der Begriff „religiöse Praxis“ recht weit gefasst ist. So beschäftigt sich Jörg Oberste („Das gottgeweihte Leben auf dem Prüfstand. Kirchliche und klösterliche Visitationen vor den Zisterziensern“, 184–205) mit einem auf den ersten Blick primär organisatorischen Aspekt des klösterlichen Lebens, der aber zugleich als einendes Element des Gesamtordens weit über diese rein pragmatische Funktion hinaus weist. Kathryn Elizabeth Salzer knüpft mit ihrem Aufsatz „Monastic Benefacors and Sanctity. Lay Perceptions of Medieval Cistercian Houses“ (206–229) in gewisser Weise an die vorangegangenen wirtschaftshistorischen Beiträge an, indem sie die Beziehungen der Klöster zu externen Unterstützern im lokalen/regionalen Umfeld darlegt – wobei nun das Seelenheil als wichtiger Faktor in diesem Netzwerksystem betont wird. Auf der eher persönlichen Ebene bewegt sich Barbara Stühlmeyers „historisch-phänomenologische Landkarte zum Amplexus. Auf den Spuren einer Frömmigkeitsform“ (230–242).

Einer spannenden interdisziplinären Verbindung aus theologischer und literaturwissenschaftlicher Fragestellung widmet sich Eugenius Lersch. Unter dem Titel „Liebe, Tod und Minnesang. Zisterziensische Geistigkeit am Beispiel des seligen Helinand von Froidmond“ (243–263) legt er den engen Zusammenhang der Mystik und Theologie des Cistercienserordens mit der höfischen Kultur des Mittelalters dar. Aus einem interessanten Quellenfund kann, wie Wolfgang Buchmüller erläutert, die Beteiligung eines Cisterciensers an der Entstehung eines der heute noch bekanntesten Gebete der katholischen Christenheit geschlossen werden: „Die Zisterzienser und die Entstehung des Rosenkranzes. Ein Johannes von Sankt Thomas als Autor einer allerersten Urversion?“ (265–278). Mit einem erst seit dem frühen 17. Jahrhundert in deutschsprachigen Cistercienserklöstern gebräuchlichen und für die Betonung einer Ordensidentität bedeutenden Phänomen setzt sich Tarcisius Sztubitz auseinander: „‚Ein neuer Name, den der Mund des Herrn für dich bestimmt …‘. Bedeutung und Besonderheiten der Klosternamen bei den Zisterziensern“ (279–300).
Ein Thema, das gleich in mehrfacher Hinsicht speziell auf den mit der Festschrift zu ehrenden P. Alkuin (Historiker, Theologe, Theaterwissenschaftler, Heiligenkreuzer Konventuale) bezogen ist, behandelt Matthias J. Pernerstorfer: „Theater am Karfreitag. Monachia Conscientiae oder Daß Jnnerliche Reich des Menschen (1731) im Zisterzienserstift Heiligenkreuz“ (301–321). Eine archivalienbasierte Mikrostudie zum Leben in einem westfälischen Frauenkloster zur Zeit der Säkularisation legt der Kirchenhistoriker Bruno Hannöver vor: „Der Nachlass der Maria Clara von Juden, Kapitularin des Zisterzienserinnenklosters Gravenhorst, im Staatsarchiv Nordrhein-Westfalen Abt. Münster“ (322–339).

Gliederungspunkt 4 behandelt das Thema „Liturgie und Predigt“ und beginnt ordensübergreifend-vergleichend mit dem Beitrag von Jörg Sonntag: „Das benediktinische Element im Hochmittelalter. Zu Parametern ritueller Identität benediktinischer Reformgruppen im Abgleich mit den Zisterziensern“ (342–356). Ins archivalische Detail geht hingegen der Musikwissenschaftler Stefan Morent („Zur Choralüberlieferung der Zisterzienser. Neue musikalisch-liturgische Fragmente aus dem Kloster Maulbronn im Hauptstaatsarchiv Stuttgart“, 357–369): eine exemplarische Detailstudie, die zugleich einen Einblick in die zuvor nur wenig bekannte mittelalterliche Musikkultur württembergischer Klöster gibt.
Johannes Paul Chavanne schlägt unter dem Titel „Das monastische Schuldkapitel. Eine liturgische Form der öffentlichen Buße“ (370–385) die Brücke aus der Geschichte hin zur monastischen Gegenwart bzw. sogar in die Zukunft, indem er die Intention des historischen Schuldkapitels als inhaltlich durchaus relevant für das monastische Zusammenleben deutet – als „Feedback“ oder „Selbstreflexion“.

Der Herausgeber Joachim Werz bedient mit seinem Beitrag („Ein ABC zisterziensischer Predigt. Erste Beobachtungen anhand der Handschrift 476 zur volkssprachlichen Verkündigung der Zisterzienser von Heiligenkreuz in der Frühen Neuzeit“, 386–413) gleich zwei große Forschungslücken der interdisziplinären Cistercienserforschung, indem er zum einen die Frühe Neuzeit in den Blick rückt und darüber hinaus dezidiert das Thema „Predigt/Seelsorge“ untersucht, das in der Forschung i. d. R. nicht primär mit dem Cistercienserorden in Verbindung gebracht wird. Eine Ausnahme hierzu bilden die zahlreichen Publikationen von Georg Schrott, der sich auch im vorliegenden Sammelband mit einem entsprechenden Thema befasst: „Leichenpredigten und Castra doloris für die Äbte von Heiligenkreuz. Intermediale Aspekte klösterlicher Frömmigkeitskultur“ (414–446). Am besonders gut überlieferten Beispiel Heiligenkreuz geht er darin den Medien klösterlicher Funeralkultur des 17. und 18. Jahrhunderts auf den Grund. Der interdisziplinäre, mediengeschichtliche Ansatz zeigt sich als besonders geeignet zur Untersuchung der Begräbnisfeierlichkeiten der Äbte als „multimediale“ Ereignisse.

Gudrun Trausmuth beschäftigt sich mit dem Heiligenkreuzer Prediger „P. Theophil Heimb O.Cist.: Heiligenpredigten in Einzeldrucken (1747–1767)“ (447–478). Pius Maurer („Einige Informationen zum liturgischen Leben im Zisterzienserstift Lilienfeld des 19. Jahrhunderts“, 479–510) thematisiert an seinem Beispiel eine den Orden bis heute prägende Epoche des Umbruchs, während sich German Andreas Herzog in seinem Beitrag aus allgemeinerer Perspektive mit der Entwicklung des Cistercienserritus befasst („‚… wenn es der reine Cist.Ritus wäre, könnte man ihn approbieren, aber ein Amalgam nicht‘. Hintergründe der Reform des Zisterzienserritus in Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils unter besonderer Berücksichtigung der geistlichen Grundlagen seiner Entstehung und einiger Momente seiner Entwicklungsgeschichte“, 511–532).

Den letzten großen Gliederungspunkt bildet das Kapitel „5. Kunst und Architektur“. Den Auftakt hierzu, der zugleich wieder einmal die methodische und interdisziplinäre Bandbreite erkennen lässt, macht ein archäologischer Beitrag zu den vielfältigen „materiellen Spuren“ der Lebenswelt der Zisterzienser, über die die Archäologie Aufschluss geben kann (Christina Vossler-Wolf: „Aus der Tiefe ans Licht – Archäologie in Zisterzienserklöstern“, 534–569).
Wiederum als exemplarische – doch durch den ikonographisch-theologischen Ansatz ebenfalls interdisziplinär angelegte – Detailstudie ist der Beitrag von Esther Wipfler konzipiert: „‚HANC ∙ ARCHAM ∙ CONPER/AVIT (sic!) ∙ SOROR ∙ GREDA ∙ DICTA / PFRVMBOMIN ∙ DE ∙ SPIRA / IN ∙ HONOREM ∙ DOMININI (sic!)‘. Meisterwerke der mittelalterlichen Goldschmiedekunst als Stiftungen von Zisterzienserinnen und Zisterziensern – Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum“ (570–588). Fleißarbeit hat Berthold Kress mit seinem ikonographischen Katalog „Dilecti a deo et hominibus. Barocke Darstellungen von Zisterzienserheiligen in Altbayern und Schwaben“ (580–635) geleistet. Zwar stellt sich gerade bei einem überregional agierenden Orden wie den Cisterciensern die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser engen regionalen Beschränkung, in jedem Fall liefert die Bestandsaufnahme eine wichtige Basis für spätere Auseinandersetzungen mit der Thematik. Ralph Andraschek-Holzer hat mit dem Versuch einer motivischen Systematisierung Klosteransichten vom 16. bis ins 20. Jahrhundert gesammelt: „Ansichten der niederösterreichischen Zisterze Lilienfeld. Tradition – Transformation – Innovation“ (636–652), die Sammlung zeigt das Potential für weitere hier ansetzende Fragestellungen.

Katinka Häret-Krug und Elisabeth Krebs sind Spezialistinnen im Bereich klösterlicher Klausurbauten, die Beiträge ergänzen sich unmittelbar. Häret-Krug untersucht „Die Treppenhäuser der Zisterzienserabteien Ebrach, Schöntal und Marienstatt als Ausdruck klösterlichen Herrschaftsverständnisses im Barock“ (653–688) und betont dabei die Rolle des Zeremoniells auch im klösterlichen Kontext: Das repräsentative Treppenhaus trägt dazu bei, die (reale oder angestrebte) Position des Klosters bzw. des Bauherren-Abtes im (weltlichen) Machtgefüge zu demonstrieren. Den „Ordenssaal“ in Kloster Schöntal – ein bislang in der Forschung wenig beachtetes kunst- und kulturhistorisches Kuriosum – ordnet Elisabeth Krebs ebenfalls in den kirchen- und weltpolitischen Kontext seiner Entstehungszeit ein: „Der sogenannte Ordenssaal im Neuen Abteigebäude Schöntal an der Jagst. Ein Zeugnis bedrohter katholischer Vormachtstellung“ (689–724).

Mit dem Punkt „6. Ausblicke“, der nur einen einzigen Aufsatz des Herausgebers beinhaltet, schließt der Aufsatzteil des Bandes ab („Zisterzienserforschung als Wahrnehmungsforschung? Vorstellung einer Forschungsmethode für die Cisterciensia am Beispiel der antilutherischen Schrift des Zisterzienserabtes Paul Bachmann von 1534“, 726–744). Anstelle eines eigentlichen Fazits weitet Joachim Werz den Blickwinkel mit einem methodologischen Ansatz und dem Appell, nicht nur thematische Forschungsdesiderate weiter aufzuarbeiten, sondern dabei zugleich erfolgversprechende methodische Ansätze stärker in den Blick zu nehmen. Konkret geht es ihm um den Bereich der Wahrnehmungsforschung, die auf besondere Weise die Auseinandersetzung mit der klösterlichen Alltagskultur und damit der für dieses Buch titelgebenden „Lebenswelt der Zisterzienser“ ermöglicht. In einzelnen Beiträgen des vorliegenden Bandes findet sich dieser Blick bereits – in unterschiedlicher Gewichtung – wieder.

Im Anschluss an diese methodische Klammer – und daher auch etwas abseits der inhaltlichen Thematik – wird noch einmal der Bezug zum Geehrten der Festschrift und seinem Kloster Heiligenkreuz hergestellt, in Gestalt der bemerkenswerten, von P. Alkuin Schachenmayr zusammengestellten, insgesamt 836 (gedruckte und ungedruckte) Titel umfassende „Bibliographia Sancruensis“ (746–814), erschlossen mit Personen- und Ortsregister, die von langer, sorgfältiger Auseinandersetzung mit dem Thema zeugt. Gleiches gilt für das anschließende Curriculum Vitae plus Publikationsverzeichnis des Geehrten (815–830), wobei insbesondere die Liste der Rezensionen aufgrund der regen und immer aufschlussreichen Rezensententätigkeit des Autors zugleich einen (wenn auch nicht vollständigen) Überblick über das Forschungsgeschehen zum Cistercienserorden der letzten Jahre darstellt, womit wiederum der Bogen zur Kernintention des Sammelbandes geschlagen ist.

 

Insgesamt hat der Band gezeigt, dass in den Jahren seit 2007 im Bereich der Forschung zum Cistercienserorden einiges passiert ist. Dennoch wurden die bereits damals bemerkten Lücken wenn überhaupt nur teilweise geschlossen. Auch der vorliegende Band gibt nicht vor, diese Lücken schließen zu wollen, vielmehr wird in den einzelnen Aufsätzen immer wieder das Aufzeigen weiterer Perspektiven für die zukünftige Forschung als wichtiges Ziel formuliert. So reagiert z. B. Volker Leppin ausdrücklich auf „die Anregung der Herausgeber dieses Bandes […], nicht nur Bestandserhebungen vorzunehmen, sondern auch Forschungsdesiderate und -möglichkeiten zu benennen“ (43). Es bleibt zu hoffen, dass dieser Ansatz fruchtbar auch für die kommenden Jahre der Cistercienserforschung bleibt.

Werz, Joachim / u.a. (Hrsg.): Die Lebenswelt der Zisterzienser. Neue Studien zur Geschichte eines europäischen Ordens, Verlag Schnell + Steiner sowie Be&Be-Verlag 1. Auflage 2020, 876 Seiten, ISBN: 978-3795434717 € 70,-

Kathrin Müller

Diese Rezension erscheint in Druckform in: Analecta Cisterciensia 2020 (70)

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

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