Herzblut für den Zölibat

Der aus Guinea stammende Kurienkardinal Robert Kardinal Sarah, er legte erst kürzlich seine eindringlichen Betrachtungen „Herr, bleibe bei uns“ (Kißlegg 2019) vor, hat sich nun mit prophetischen Worten gegen diese Tendenzen ausgesprochen. Sein Buch „Aus der Tiefe des Herzens“ erregte schon vor Erscheinen wegen des theologisch-geistlichen Beitrags von Papst Benedikt XVI. und einiger Ungeschicklichkeiten/Missverständnisse bei der Präsentation Aufsehen und Widerspruch. Das wird die nun mögliche Lektüre des prophetischen Volltextes von Sarah noch verstärken.

Noch nie wurde von einem Kardinal der Kirche der Zölibat so radikal und mit Herzblut verteidigt und biblisch begründet. Der Priester vertritt den Bräutigam der Kirche und kann daher nicht selbst Bräutigam sein. Daher kann es auch kein sakramentales Frauenpriestertum geben. Zwischen Zölibat und Priestertum ist eine ontologische Verbindung, weshalb die Weihe von „viri probati“ ein Verrat am Volk Gottes wäre, gerade auch in Amazonien, wo die Gläubigen dasselbe Vollrecht auf einen echten Priester haben, nicht bloß auf einen Funktionär mit Vollmachten.

Die Christen in Japan, die Jahrhunderte ohne Priester leben mussten, wussten von drei Zeichen, die echte Priester bei der Rückkehr haben mussten: „Sie werden ledig sein, es wird eine Marienstatue geben, sie werden dem Papst in Rom gehorchen“ (96). Sarah lenkt die Aufmerksamkeit immer auf die Eucharistie und das Gebet als Zentrum der Kirche. Er zitiert zentrale Texte des Konzils und der Päpste Paul VI., Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus. Der Beitrag „Das katholische Priestertum“ von Benedikt XVI. ist ohne Polemik, verbindet aufschlussreich die Priestersicht des Alten Testamentes mit der des Neuen und schließt mit drei eindrücklichen Schriftbetrachtungen zum Dienst des vor Gott stehenden und wachenden Priesters als Hirte im Gottesvolk.

Sarah (und der Papa emerito) sind keine Außenseiter oder Randfiguren, sondern sprechen als Theologen und Männer der Kirche „aus der Tiefe des Herzens“. Das gut lesbare Buch ist allen Priestern, ob alt oder jung, und allen wirklich katholischen Gläubigen eine erbauliche und bestätigende Lektüre. Als Ergänzung und Vertiefung empfiehlt sich dazu die Neuerscheinung von Marc Kardinal Ouellet, des Präfekten der Bischofskongregation, im Johannes Verlag Einsiedeln: „Freunde des Bräutigams. Für ein erneuertes Verständnis des Priestertums“ (Freiburg 2019).

Stefan Hartmann

Sarah Robert/Benedikt XVI.: Aus der Tiefe des Herzens. Priestertum, Zölibat und die Krise der katholischen Kirche, fe-Medienverlag 2020, 149 Seiten, € 16,80 ISBN: 9783863572556

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.