• Eine dichte Wolke voller Zeugen

    Die ersehnte Erneuerung der Kirche, deren Kleid und Antlitz im Offenbarwerden von Missbrauchsfällen zuletzt beschmutzt wurde, bedarf des reinigenden Blickes auf die Blutzeugen, die die Wahrheit des Glaubens und der Liebe höher schätzten als ihr eigenes Leben. „Da uns eine solche Wolke von Zeugen umgibt, wollen auch wir alle Last und die Fesseln…

  • Die Heiligen sprechen für sich

    Kaiser Diokletian fasste während der letzten Christenverfolgung des Römischen Reiches das perfide Kalkül, nicht bloß jene Christen hinzumartern, die den Staatsgöttern nicht opfern wollten, sondern auch historische Textzeugnisse zu vernichten, die frühen Märtyrer dem verzehrenden Feuer der Damnatio memoriae zu überlassen. Die junge Kirche sammelte die fromme Erinnerung der Blutzeugen in ihren Legenden,…

  • Noli me tangere

    Jean-Luc Nancys Denken steht in der Tradition der Dekonstruktion und Phänomenologie. Auf Basis dieser Deutefolie analysiert der französische Philosoph die österliche Begegnung zwischen Maria von Magdala und dem Auferstandenen (Joh 20,11-18) und fokussiert diese Szenerie, die sonst abseits kanonischer Bilderzyklen ein paradoxes Schattendasein fristet. Im Zentrum des philologischen Essays steht das doppeldeutige Berührungsverbot…

  • Eva-Maria-Parallele

    Mariologie steht aus verschiedenen Gründen theologisch unter einem Rechtfertigungsdruck, nicht nur durch Karl Barths heftige Ablehnung als „Wucherung“, sondern auch durch allzu apologetisch und „übertreibend“ formulierte Arbeiten katholischer Autoren. Da ist es erfreulich, die bei Anton Ziegenaus eingereichte umfassende Augsburger Dissertation von Markus Hofmann, seinerzeit Regens des Kölner Priesterseminars, seit März 2018 Kölner…

  • Ein unbekannter Märtyrer

    Allgemein bekannt ist das Auschwitz-Martyrium des hl. Maximilian Kolbe OFM, nicht weniger ergreifend ist das Zeugnis des 1999 mit 107 anderen Märtyrern seliggesprochenen Kapuziners Anicet Koplin, der am 16. oder 24. Oktober 1941 in Auschwitz ermordet wurde. Seine Mutter war evangelische Preußin, sein Vater Katholik. Im Ersten Weltkrieg verfasste Koplin noch patriotische Gedichte…

  • Geistige Leitplanken als Grundsatz

    Der katholische Philosoph Josef Bordat veröffentlichte zum 70. Jubiläum der Unterzeichnung des deutschen Grundgesetzes eine theologische Analyse dieses Verfassungsrechts im Licht des christlichen Glaubens. Dadurch enthob Bordat die transzendente Rechtsmetaphysik, das Stiefkind des säkularen Staates, aus dem Dunkeln ihres Schattendaseins. Zudem verdeutlicht der vorliegende Traktat im Kontext christlicher Ethik und philosophischer Grundwahrheiten die…

  • Erlebte Kirche

    Zum 90. Geburtstag Peter Henricis, des Zürcher Jesuiten, Professor für Neuere Philosophiegeschichte der Päpstlichen Universität Gregoriana, Weihbischof von Chur und Generalvikar mit Sitz in Zürich, hat sein ehemaliger Sekretär Urban Fink in der „Edition NZN“ des Theologischen Verlags Zürich unter dem Titel „Erlebte Kirche – Von Löwen über Rom nach Zürich“ einige kirchengeschichtlich…

  • Titelbild: Tworuschka-Islam

    Weißbuch Islam

    Die vorliegende Publikation des Autorenehepaars Tworuschka benennt 38 Thesen gegen eine islamophobe Hysterie und setzt sich zum Ziel, der einseitigen negativen Rezeption des Islam in unserer Gesellschaft entgegenzutreten. Vier Abschnitte gliedern die Theoreme in überschaubare Sinnabschnitte: Von medial-politischer Wahrnehmung spannt sich der Bogen zur facettenreichen Begriffsklärung des „Islam“, hin zu vielschichtigen Antworten auf…

  • mehr als ein Selbstgespräch

    „Beten ist der mehr oder weniger ausdrückliche Wunsch, jemand möge das Verlangen, das dem Leben innewohnt, stillen.“ Das soll nun aber keine erschöpfende Definition des Betens sein, die der italienische Ordensmann in seinem neuen Buch liefert. Beten ist nach Ronchis Überzeugung etwas derart „Umfassendes und Komplexes, dass eine systematische Abhandlung unmöglich ist“. Aber:…

  • Titelbild Jüdische Spuren in Wien - Oskar Kostelnik

    Topographie der Erinnerung

    Die Geschichte der Stadt Wien ist untrennbar mit der jüdischen Kulturgeschichte verbunden, verdankt sie doch ihre Entwicklung zur prosperierenden „mitteleuropäischen Metropole“ auch den geistigen und wirtschaftlichen Leistungen ihrer jüdischen Mitbürger: den Künstlern, Intellektuellen, Wissenschaftler und Bankiers. Die Donaumetropole galt im Übergang vom 19. ins 20. Jahrhundert als blühendes Zentrum jüdischer Kultur, jedoch dezimierte…