Einführung in die Philosophie der Scholastik

Philosophia ancilla theologiae – Die Philosophie ist die Magd der Theologie

Wenngleich dieser Satz nicht wortwörtlich bei einem der einflussreichsten Geistlichen des 11. Jahrhunderts zu finden ist, seinem Inhalt gemäß wird er dennoch dem italienischen Bischof und Kirchenlehrer Petrus Damiani (ca. 1006 – 1072) zugeschrieben. Diese Phrase demonstriert, welche wesentliche Bedeutung die Philosophie für die Wissenschaft der Theologie hat, bedient sich diese doch oftmals bestimmter Begrifflichkeiten der Philosophie, wie beispielsweise jene der „Transsubstantiation“, der „Form“ oder auch der „Materie“.

Der aristotelisch-scholastischen Philosophie, welche im heiligen Thomas von Aquin (1225 – 1274) einen ihrer Hauptvertreter hat, kommt ein besonderes Gewicht zu. Dies kann beispielsweise dadurch gezeigt werden, dass auf dem ökumenischen Konzil von Trient (1545 – 1563) auf dem Altar des Sitzungssaals neben der Bibel die Summa theologiae, das Hauptwerk des eben genannten Thomas von Aquin, ihren Platz erhielt.

Das vorliegende Werk ist der erste Band der Buchreihe Philosophie des gesunden Menschenverstandes. Der Autor, Rafael Hüntelmann, hat sich zum Ziel gesetzt, mittels dieser Reihe eine systematische Einführung in die Philosophie auf Grundlage der aristotelisch-scholastischen Philosophie zu geben, um dadurch auch eine Lücke im deutschen Sprachraum zu füllen. Diese Reihe wendet sich zunächst an philosophisch interessierte Laien und im Weiteren auch an Studenten im Grundstudium der Philosophie oder anderer Geisteswissenschaften. Dieser Zielgruppe gemäß verwendet der Autor bei seinen Ausführungen neben einer für jedermann verständlichen Alltagssprache auch zahlreiche, dem Alltag entlehnte Beispiele, um so dem Leser die doch eher komplexen Themenfelder der Philosophie gewinnbringend näherzubringen.

Der ersten Band „Grundkurs Philosophie I. Werden, Bewegung, Veränderung“ entfaltet die Grundfragen, die den Bereichen der Metaphysik und der Naturphilosophie zuzuordnen sind. Jedem Menschen ist intuitiv sofort klar, dass Dinge entstehen und sich ändern; wie man sich dies allerdings vorstellen muss, was sich alles ändern kann und was nicht, wieso sich Dinge ändern und weitere Fragen dieser Art werden die meisten dann nicht mehr so einfach zu beantworten wissen. Dem Autor gelingt es in diesem ersten Band der Reihe eine kurze und bündige Einführung in diesen Themenkomplex zu bieten. Nach einer allgemeinen Einführung in die Metaphysik dreht sich alles, wie der Titel nahelegt, um die Bewegung und Veränderung. Dass Philosophen, v.a. jene aus der Antike und des Mittelalters, zumeist nicht von Veränderung sprechen, sondern von Bewegung, darunter aber etwas viel Umfassenderes verstehen, als der moderne Alltagsgebrauch des Wortes vermuten lässt, ist die erste Lektion, die dem Leser zugemutet wird. Im Anschluss daran wird zunächst erörtert, welche Arten von Bewegungen existieren, um dann zum Kern vorzudringen, den Lehren von Akt und Potenz, von Form und Materie, von Substanzen und Akkzidentien, von Wesenheiten und Existenzen und schlussendlich jener von der Kausalität. Was zunächst den Anschein nach trockener Gelehrtenkost hat, erweist sich im Laufe der Lektüre als hilfreiches Werkzeug, das sich der Leser gewinnbringend für das eigene Denken, sowohl für den Alltag als auch als Grundlage weiterer philosophischer Studien, aneignen kann.

Fabian Thomas Glück

Hüntelmann, Rafael: Grundkurs Philosophie 1. Werden, Bewegung und Veränderung, editiones scholasticae 2012, 130 Seiten, (= Editiones scholasticae 24 – Reihe Philosophie des gesunden Menschenverstandes 1), € 14,90 ISBN: 9783868385243

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

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