Metaphysik – Einführung in die Königsdisziplin der Philosophie

Metaphysik ist nicht nur eine Teildisziplin der Philosophie, sie ist, dem Autor zufolge, gar die „Königsdisziplin der Philosophie“. Zu ihrem Namen kam sie auf eher unspektakuläre Weise. Denn ursprünglich bezeichnete dieser gar keine philosophische Disziplin, sondern Schriften des antiken Philosophen Aristoteles, die seinem Hauptwerk, der Physik, nachgeordnet waren. Diese Ordnung geht allerdings nicht auf Aristoteles selbst zurück, sondern auf einen gewissen Andronikos von Rhodos, der die Schriften des Aristoteles im ersten Jahrhundert vor Christus ordnete. Jene Schriften, die nach der Physik entstanden, bezeichnete der Grieche Andronikos einfach als „meta ta physika“, was auf Deutsch so viel bedeutet, wie „nach der Physik“.

Jenen Titel, Metaphysik, trägt auch der zweite Band aus der Reihe Philosophie des gesunden Menschenverstandes. Wie im ersten Band versucht der Autor, Rafael Hüntelmann, dem Leser eine systematische Einführung in die aristotelisch-scholastische Philosophie zu bieten, dieses Mal eben in den Teilbereich der Metaphysik. Und ebenso wie im ersten Band ist ihm dieses Vorhaben sehr gut gelungen. Dem Interessierten ist es sicherlich hilfreich zu erfahren, dass jeder Band dieser Reihe eine in sich geschlossene Einheit bildet, er also keine Kenntnisse des vorherigen Bandes voraussetzt, um verstanden zu werden. Dies bedeutet allerdings auch, dass man, hat man ersten Band gelesen, im zweiten Band dieser Reihe auf die eine oder andere Wiederholung stoßen wird, ohne die dieser Band nicht in sich geschlossen sein könnte.

Im ersten Teil beschäftigt sich der Autor mit dem Seienden. Zunächst wird der Seinsbegriff erklärt, um dann in die sogenannte analogia entis, die Analogie des Seins, zu überführen, welche grundlegend für die scholastische Philosophie ist. Ebenso findet sich in diesem Abschnitt eine Auseinandersetzung mit dem Nichts in Relation zum Sein. Nachdem im zweiten Hauptpunkt das Sein innerhalb der Akt-Potenz-Theorie erläutert wurde, findet sich im dritten Teil die Unterscheidung zwischen Sosein und Dasein im Sein, also jener Unterschied zwischen dem, dass etwas ist und dem, was etwas ist. Die sogenannten Transzendentalien, welche man als Eigenschaften des Seins verstehen kann, werden im vierten Hauptpunkt behandelt. Als nächstes folgt eine Einführung in die Kategorienlehre des Seins. Darauf folgt eine Auseinandersetzung mit einem Streitpunkt, der seit den Anfängen der Philosophie andauert, nämlich die Frage, ob den Allgemeinbegriffen, auch Universalien genannt, wie beispielsweise der Begriff ‚die Menschheit‘, außerhalb der Gedankenwelt des Menschen eine Existenz zukommt oder nicht. Auch wenn es sich hier nur um eine grundlegende Einführung in diese Thematik auf nur wenigen Seiten handelt, schafft es der Autor, dem Leser einen Einblick in diese Problematik zu vermitteln und legt ebenso starke Argumente vor, warum es richtig ist, sich für die aristotelisch-scholastische Position zu entscheiden. Den Abschluss bildet ein kurzer Überblick über Raum und Zeit bzw. darüber, wie man sich jene Größen innerhalb der aristotelisch-scholastischen Philosophie vorzustellen hat.

Fabian Thomas Glück

Hüntelmann, Rafael: Grundkurs Philosophie 2. Metaphysik, editiones scholasticae 2013, 125 Seiten, (= Editiones scholasticae 32 – Reihe Philosophie des gesunden Menschenverstandes 2), € 14,90 ISBN: 9783868385373

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