Fundament zur Ökumene

Mit dem vorliegenden Werk schafft es der Autor, das Streben zur Einheit der Christen auf ein geistliches Fundament zu stellen, das die sichtbare Einheit als Ziel sucht. Er folgt damit im Besonderen dem Ökumenismusdekret des Zweiten Vatikanischen Konzils und aktualisiert diese Sicht mithilfe verschiedener katholischer Theologen, insbesondere Walter Kasper, und lehramtlicher Dokumente. Diese Bestrebungen zur Einheit der Christen als ein geistlicher Wachstumsprozess einer spirituellen Lerngemeinschaft bedeutet gemäß dem Autor, einen Perspektivenwechsel zu vollziehen und den Horizont zu erweitern, damit die geistliche Ökumene voranschreitet (25). Sein Verdienst liegt hierbei auf der Betonung, dass äußere Handlungen einer geistlichen Grundhaltung bedürfen (25).
Eine Überwindung des aktuell unvollkommenen Standes im ökumenischen Geschehen (17-31) liegt gemäß dem Autor in der geistgewirkten Umkehr, dem Gebet und der Läuterung geschichtlicher Erinnerungen (20, 45). Über theologische Konsense hinaus vermögen diese drei Vollzüge das existentielle Leben der Christen zu erneuern (25), das sich laut dem Autor in einer lebendigen Christus-Beziehung (25) und Christus-Nachfolge (26) kennzeichnet. Er betont damit in aller Deutlichkeit, dass Gott das Zentrum und das gemeinsame Ziel der Einheit bildet (53-54). Durch eine vertiefte Gotteserkenntnis bestimmen sich für den Autor sowohl der letzte Grund wie auch das Ziel der Kirche (54). Zugleich geht mit ihr das Erkennen Christi als ,Gott mit uns‘ einher (61), denn von der Frage, wer Christus ist, hängt gemäß dem Autor im Weiteren nicht nur das Glaubensbekenntnis, sondern auch das Verständnis der Eucharistie als präsente Gegenwart Christi ab (69-116). Von der Eucharistie her versteht der Autor die Kirche und verweist auf ihre Eigenschaft der Sammlung und Sendung (123-125). Dieses Verhältnis von Einheit und Mission entfaltet der Autor zusätzlich an den Attributen der Kirche: eine, heilige, katholische und apostolische Kirche (149-188). Schlussendlich hält der Autor fest, dass der Dialog in Liebe und Wahrheit gelingen kann, wenn man auf die Gemeinsamkeiten blickt (190) und mutig von Gott und Gottes Barmherzigkeit in der Welt Zeugnis gibt (206), um so gemeinsam in der Fülle der Kirche Christi, der gelebten Katholizität, zu wachsen und aus Christi Heilswirken zu leben (205).
Als eine Abhandlung aus Sicht der katholischen Kirche gleicht das Buch einer hervorragenden Einführung in die geistliche Ökumene mit pastoralem Schwerpunkt, die den Glauben an Christus die erste Priorität einräumt (205). Für eine Vertiefung wäre an manchen Stellen des Buches ein Einfügen von Belegen sinnvoll (18-22), die Unterscheidung zwischen Kirche und den Menschen in der Kirche als Sünder vorzunehmen (45) oder das Amt als drittes Kriterium des katholischen Verständnisses von Einheit neben Glaube und Sakramenten zu erwähnen (22). Trotzdem wirft das Buch Fragen auf, überzeugt mit seiner gut lesbaren Sprache, betont die Spiritualität, die aus den Wurzeln des christlichen Glaubens kommt (25), fordert ein Verstehen des Glaubens, der Inhalte und der Beziehung Gottes mit dem Menschen (197-198), will eine gereinigte Erneuerung (200) und zielt auf die persönliche Beziehung zu Christus ab (201), um so neue Dynamik für das Ziel, die sichtbare Einheit der Christen, zu gewinnen, damit die Welt glaubt.

Andreas Steinmetz

Augustin, George: Die Seele der Ökumene. Einheit der Christen als geistlicher Prozess, Herder Verlag 2017, 224 Seiten, € 18,50, ISBN: 978-3-8436-0890-9

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