• Wider den Halbgott Hitler

    Mit der vereinnahmenden Typisierung Münchens als „Hauptstadt der Bewegung“ etablierte der Nationalsozialismus einen Mythos, der nicht nur seine Gründungsväter überlebte, sondern vielfach unreflektiert im historischen Sprachgebrauch weiterlebt. München dagegen als „Hauptstadt der Gegenbewegung“, als Zentrum des Widerstandes darzustellen, gelingt dem emeritierten Ordinarius für Neuere Geschichte in akribisch, präziser und zugleich leicht lesbarer Form. Wenngleich das Entsetzen bestehen bleiben muss, dass in einer Stadt mit 80 % Katholiken eine das Evangelium pervertierende Ideologie Fuß fassen konnte, darf dieser beschämende Fakt keineswegs über den vorbildlichen Kampf von Politikern, Journalisten, Intellektuellen und Geistlichen der Münchner Katholiken hinwegtäuschen. Peter Claus Hartmann benennt in seiner 2019 erschienenen Publikation eine Reihe katholischer Laien und Kleriker, deren…

  • 125 Volt gegen den Zeitgeist

    Asfa-Wossen Asserate, seines Zeichens äthiopischer Prinz und Deszendent des davidischen Königshauses, verdanken wir den Hinweis, dass unsere Manieren maßgeblich auf christliche Wurzeln zurückgehen. In seinem vielbeachteten Buch „Manieren“ (Erstveröffentlichung 2003) liefert der Kulturphilosoph an bedeutenden Stellen Anknüpfungspunkte zur christlichen Theologie. Dass sich Manieren, Etikette und Anstand in der Öffentlichkeit zur Conditio-sine-qua-non etablierten, verdankt Europa der hohen Ästimation des weiblichen Geschlechts, der katholischen Mariologie. Der Goldene Faden des höfischen Zeremoniells rund um Unsere Liebe Frau hatte sich sodann vom Burgfräulein bis zur „gewöhnlichen“ Dame weiter gesponnen. Alexander Pscheras literarisch-philosophische Essaysammlung mit dem spannungsgeladenen Titel „Vergessene Gesten: 125 Volten gegen den Zeitgeist“ thematisiert die vom Aussterben bedrohte Gestik und Wortvielfalt in unserer…

  • Lebendiges Kommuniongebet

    Wenngleich jeder Gläubige sich durch persönliche Gebete und stille Betrachtung auf die Messfeier vorbereiten und im Anschluss danksagen kann, so ist es doch sehr hilfreich, dafür geeignete Kommuniongebete zu nutzen. Seit längerer Zeit können Priester, die des Lateinischen ausreichend mächtig sind, das Büchlein des Kölner Adamas Verlags mit dem Titel „Preces selectae“ für die Vorbereitung und Danksagung verwenden. Ein für Priester und nicht geweihte Gläubigen gleichermaßen geeignetes Büchlein mit aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzten Kommuniongebeten hat Marianne Schlosser, Universitätsprofessorin für Theologie der Spiritualität an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, herausgegeben. Für jeden Tag eines Monats enthält es 31 Betrachtungen über das Geheimnis der Eucharistie. Entsprechend trägt es den…

  • Titelbild Dietrich Bonhoeffer - Auf dem Weg zur Freiheit

    Theologenbiographie zu Bonhoeffer

    Angesichts einer Überfülle von Biographien über Dietrich Bonhoeffer potenzieren sich die Erwartungen, wenn der federführende Mitherausgeber der historisch-kritischen Neuauflage von Bonhoeffers Werken ein neues Buch auf den Markt bringt. Wolfgang Hubers Intention ist es, ein Porträt, eine spezifische Perspektive des im KZ ermordeten lutherischen Theologen herauszubilden. Der Berliner Professor rückt das unvollendet-wirkmächtige Denken Bonhoeffers in den Fokus seiner prägnanten Betrachtung und beleuchtet sohin tragende Gewissheiten des Glaubenszeugen, um Veränderungen in seinem Denken nachvollziehen zu können. Bei kaum einem anderen Theologen ist die Einheit von Via und Vita, von Lebensgeschichte und Denkweg, von Theologie und Biographie so intensiv verwoben wie bei Bonhoeffer. Ethisches Denken steht bei Bonhoeffer immer in Korrelation mit…

  • Theologische Erkenntnislehre und nationalsozialistische Ideologie

    Der hochqualifizierte Augsburger Dogmatiker Thomas Marschler hat nach einer Arbeit zum Braunsberger Kirchenrechtler Hans Barion (1899-1973) innerhalb eines größeren Forschungsprojektes, das viele Originaltexte zugänglich machte, auch eine große Biographie des damaligen Rektors der Braunsberger Theologischen Akademie, des Rheinländers und Rademacher-Schülers Karl Eschweiler (1886-1936), vorgelegt. Beide wurden 1934/35 wegen ihrer Nazi-Affinität, u.a. aufgrund eines Sterilisationsgutachtens, kurzzeitig vom Priesteramt suspendiert. Eschweiler, der ein enger Freund des umstrittenen Staatsrechtlers Carl Schmitt war, verstarb kurz danach 1936 an einer Nierenkolik als gläubiger Katholik und Parteimitglied der NSDAP. Er wurde am Krankenbett in Berlin von Kardinal Preysing besucht und versöhnte sich noch mit seinem ermländischen Bischof Maximilian Kaller. Fair und exakt analysiert wird von Marschler…

  • Verlässlich katholische Nahrung

    Lifehacks sind Strategien, Tipps und Tricks, die Probleme lösen, Effizienz erhöhen oder einfach den Lebensalltag erleichtern und ein Ziel auf ungewöhnliche Weise erreichbar machen. Stephen Wang zeigt sachlich und praktisch Ratschläge für ein gesundes, katholisches Leben aus und mit dem Glauben. In sieben kurzen Abschnitten erklärt der Priester der Diözese Westminster, wie der katholische Glaube gelebt werden kann, was ein Gebet bewirkt, welche Lebensweisheiten für ein aufrichtiges, heiliges Leben notwendig sind. Wang ist leitender Hochschulseelsorger seiner Diözese. Dieser verantwortungsvolle Dienst spiegelt sich in den leicht verständlichen Texten und Gedanken wider, die auf den kirchlichen Grundvollzügen aufbauen: Glaubenszeugnis, Liturgie, Diakonie und Gemeinschaft. Generell motiviert der Priester aus den Sakramenten der Kirche,…

  • Auslegung Katholischer Briefe

    Im 10. Teilband des Neuen Göttinger Bibelwerks stellt der Verfasser, Pfarrer und Professor für Neues Testament an der Universität Erlangen, „auf der Grundlage der aktuellen Forschung“ die traditionell als „Katholische Briefe“ bezeichneten sieben Briefe vor. Der Kirchenvater Eusebius benennt die unter den Verfassernamen Jakobus, Petrus, Johannes und Judas firmierenden Schreiben als „Katholische Briefe“, die seit frühester Zeit ihren festen Platz im Neuen Testament haben. Mit ihnen soll, so der Verlag, ein „ … idealer Kommentar für die Predigt- und Gemeindearbeit“ bereitgestellt werden. Die sieben Briefe sind in gleichem Schema abgehandelt: Teil A mit Textüberlieferung, Person des Verfassers, zeitliche Ansetzung, Pseudoepigraphie (realer oder fiktiver Autor), Adressaten, Einbettung in andere frühchristliche Überlieferung,…

  • Und Gott schuf die Angst

    Burkhard Hofmann praktiziert als Psychotherapeut in Hamburg sowie am Persischen Golf und skizziert in seinem vorliegenden „Psychogramm der arabischen Seele“ ein konträres Islambild, das keineswegs mit den patriarchalen Macho-Mustern europäischer Klischees übereinstimmt. Ausgangspunkt der Schilderungen sind Hofmanns Berufserfahrungen im Umgang mit muslimischen Patienten der oberen Mittelschicht, die er durch anschauliche Falldarstellungen und Erörterungen im tiefenpsychologischen Bereich beleuchtet. Der Mediziner hält fest, dass sowohl religiöse Prägungen als auch traditionelle Familienbilder sowie ein unsicherer Umgang mit der eigenen Sexualität die Gespräche vieler muslimischer Patienten dominieren. Parallel zu den psychologischen Erörterungen mischt Hofmann soziologische Komponenten in nachdrücklicher Brisanz. „Wenn es einen wesentlichen Unterschied zu den Therapien in Hamburg gibt, dann dieses Riesenmaß an…

  • Einheit und Reform in römischer Sicht

    Römische Begegnungen“ – unter diesem Titel erwartet man vielleicht plauderhafte Schilderungen des unfreiwillig emeritierten ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation (2012-2017). Es ist jedoch ein kunstvoll komponiertes, dichtes Grundsatzwerk, das an die Form der platonischen Dialoge anknüpft und allen Gedanken um Einheit und Reform der Kirche eine überschaubare Struktur gibt. Müller spricht von sich in der dritten Person als „der (römische) Kardinal“ und lässt verschiedene Protagonisten auftreten, um seinen klaren Gedanken und auch den verunklärenden Gedanken anderer ein Forum zu bieten. Nach einer Grundsatzbetrachtung „Alle Wege führen nach Rom“ führt der Weg zu einem Frühlingsempfang in der schönen deutschen Botschaft, wo Müller in verschiedenen „Stuhlkreisen“ u.a. Bischöfe, progressive und traditionalistische Theologieprofessoren, eine…

  • Panorama der Renaissance

    Weil Christen glauben, dass Gott die Welt erschaffen hat, sie lenkt, zu einem konkreten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort Mensch geworden ist und den Menschen bis zum Ende der Zeiten nahe ist, kommt kein Theologe um die Beschäftigung mit der Geschichte herum, sei es die biblische Geschichte, sei es die Kirchengeschichte, seien es geistes- und philosophiegeschichtliche Daten und Reflexionen, seien es grundlegende Betrachtungen über Themenkomplexe wie Aufklärung, Moderne, Individualisierung, Säkularisation und deren Einfluss auf religiöses Denken und religiöse Praxis. So verspricht Bernd Roecks Mammutwerk (über 1300 Seiten!) über die Renaissance viele erhellende Einsichten. Es steht in der Tradition massiver Gelehrsamkeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Arnold Hauser, Egon Friedell),…