• Die Schätze des Depots

    In diesem ästhetisch gelungenen, inhaltlich kurzweilig und freundlich gestalteten Band ist die „Depotoffensive“ des Landes Niederösterreich Thema. Von 2013 bis 2017 hat das Institut für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien für das Land Niederösterreich die Sammlungen von sechs Klöstern und Regionalmuseen neu geordnet, inventarisiert, konservatorisch überarbeitet und fachgerecht gelagert. Ziel war stets ein Zweifaches: die Bestände vor Schäden zu schützen und in einer besseren Weise zugänglich zu machen. Wer ein trockenes Buch über Konservierungstheorie und Archivbauten erwartet, wird enttäuscht sein. Das Buch sprudelt vor lauter Begeisterung und Elan. Da sehr viel von der Arbeit von Studenten, Praktikanten oder Freiwilligen geleistet wurde, äußert sich deren Begeisterung in…

  • Orthodoxer Augustinismus

    Der Weltorthodoxie droht die Spaltung“, prophezeite eine Wochenzeitung die Bestrebungen des Moskauer Patriarchats, „einseitig die eucharistische Gemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchen und seinen Bischöfen (abzubrechen …. und als) zahlenmäßig größte Orthodoxie jetzt die weltkirchliche Führungsrolle (zu beanspruchen)“. Auf weitere, seit gut anderthalbtausend Jahren immer wieder in der Orthodoxen Kirche diskutierte Probleme und Konflikte geht die im Jahr 1978 erstmals in „The Orthodox World“ vorgelegte Untersuchung des 1982 verstorbenen Autors ein, die 2007 als amerikanisches Original und noch viel später (2019) in der hier vorgelegten deutschen Übersetzung erschien. Der Stand der Diskussion ist also der des Jahres 1978.Ein einleitendes Vorwort des Autors hebt die in dem schmalen Band behandelten Hauptpunkte der…

  • Kriminalistische Phantasterei

    Dieser Schrift käme wohl kaum jene Aufmerksamkeit zu, wenn es sich beim Verfasser nicht um einen der bedeutendsten deutschsprachigen Historiker handeln würde. J. Fried hat mit seinen quellenbasierten Standardwerken zum „Gang nach Canossa“ (Berlin 2012) und zu Karl dem Großen (München 2013) einem großen Publikum das Mittelalter erschlossen. Bereits in seinem letzten Buch „Dies irae“ (München 2016) weitete er den Horizont seiner Disziplin und tat einen Blick in die bleibende Gegenwärtigkeit von Weltuntergangsstimmungen. Dass er sich nach diesem Ausflug in apokalyptisches Terrain nun in die Herzmitte christlicher Theologie vorwagt, erscheint als die logische Konsequenz, das Mittelalter als „aetas Christiana“ (Chr. Cellarius) von ihren Ursprüngen her zu denken. Der reißerische Titel…

  • Jesus der Christus

    Franz Dünzl starb im Jahre 2018 im Alter von 58 Jahren. Er war Kirchenhistoriker mit dem Schwerpunkt Patrologie, Lehrstuhlinhaber in Würzburg. Besonders hervorgetreten ist er mit seinen Forschungen zu Gregor von Nyssa. Zwei kleine, aber exquisite Bücher dürften für jeden, der sich mit den komplizierten Denkbewegungen auseinandersetzen will, die zur Ausformulierung des dogmatischen Inhalts führten, wegweisend sein: Seine „Kleine Geschichte des trinitarischen Dogmas in der Alten Kirche“ und seine hier zu besprechende „Geschichte des christologischen Dogmas in der Alten Kirche“, postum herausgegeben von seinen Mitarbeitern Michael Bußer und Johannes Pfeiff. Beide Bücher verstehen sich als einführende Überblickswerke. Schon eine flüchtige Lektüre zeigt, welche komplizierten gedanklichen Sprünge die Grundtatsache des Christentums…

  • Orthodoxer Seitenblick

    John Whitefords Traktat zum reformatorischen Schriftprinzip umfasst in seiner Prägnanz eine gut lesbare historisch-theologische Analyse aus orthodoxem Blickwinkel. Bevor Father John zum Erzpriester in Houston (Texas) geweiht wurde, wirkte er als Pastor in einer reformierten Nazarener-Gemeinde. Nach eigenen Angaben führten ihn die Studien der Religionswissenschaft zur Konversion, nachdem er in Folge seines Engagements für die „Pro-Life-Bewegung“ erstmals Kontakt zu orthodoxen Gemeindemitgliedern geknüpft hatte. Whitefords Kenntnis umfasst somit zwei konfessionelle Perspektiven. Ihre Gegensätzlichkeit erläutert der Geistliche in zwei Paragraphen. Der erste Teil (20-65) beleuchtet die Problematik des protestantischen Zugangs zur Exegese im Hinblick auf den fehlenden Bezug zur gesamtkirchlichen Tradition. Weder eine wortwörtliche Auslegung, noch der Versvergleich im Kontext können die…

  • Lebenswelt der Zisterzienser

    Im November 2007 kamen Forscher unterschiedlicher Disziplinen unter dem Titel „Aktuelle Wege der Cistercienserforschung“ in Stift Heiligenkreuz zusammen. Anlass war die Gründung des Europainstituts für cisterciensische Geschichte, Liturgie und Spiritualität (EUCist) an der Hochschule Benedikt XVI., das sich auf die Fahnen geschrieben hat, „die Kräfte interessierter Cistercienserforscher und -forscherinnen aus allen Teilen der Cistercienserfamilie [zu] bündeln und die vielen Initiativen, die sich bereits mit den Zisterziensern beschäftigen [, zu] integrieren und koordinieren“ (Homepage). Geradezu musterhaft findet sich dieses programmatische Ansinnen in dem gewichtigen hier zu rezensierenden Werk umgesetzt. Unter dem Titel „Die Lebenswelt der Zisterzienser. Neue Studien zur Geschichte eines europäischen Ordens“ sammelt der Herausgeber Joachim Werz sage und schreibe…

  • R.I.P. Klaus Berger

    Klaus Berger ist im Alter von 79 Jahren gestorben. „Er starb gestern Abend, am 8. Juni 2020 um 19:30 Uhr friedlich an seinem Schreibtisch in Heidelberg, wo er an einem letzten Buch über Joachim von Fiore saß, das er noch so gerne beendet hätte“, teilte ein enger Freund gegenüber CNA Deutsch mit. Der Heidelberger Professor für Neues Testament wurde 2019 mit dem Augustin-Bea-Preis ausgezeichnet. Berger, ein umfassend gebildeter Theologe, hat als Katholik 30 Jahre lang eine Professur an der evangelisch-theologischen Fakultät in Heidelberg innegehabt, 70 Bücher geschrieben und 60 Doktoranden und ein große Zahl von Priester- und Ordensberufen begleitet. In der Tradition von Kardinal Augustin Bea S.J. (1881 – 1968)…

  • Einladung an das geistige Europa

    Mit dem ersten Band des Lepanto-Almanachs setzt der Lepanto Verlag, bekannt für Bücher zu theologischen, philosophischen und kirchengeschichtlichen Themen, einen neuen kulturellen Akzent: Als „Jahrbuch für christliche Literatur und Geistesgeschichte“ konzipiert und von den Literaturwissenschaftlern Michael Rieger, Till Kinzel und Christoph Fackelmann herausgegeben, liegt der Fokus hier auf dem Schreiben selbst. Einerseits sollen die historischen Schätze einer Literatur auf christlich-abendländischem Fundament diskursiv in Erinnerung gerufen werden, und andererseits will man auch nach den prekären Spielräumen christlich inspirierter Kunst und christlicher Autorschaft in unserer Zeit fragen. Der erste Band bietet unter anderem einen Schwerpunkt zu Reinhold Schneider (1903–1958), einem zentralen Repräsentanten des deutschen „Renouveau catholique“. Die Reihe des Lepanto-Almanachs will ein…

  • Glaube und Heil

    Der aus der Schweiz stammende Pallottiner Markus Schulze (Jg. 1960), Dogmatiker und Fundamentaltheologe an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar, gilt als ausgewiesener Kenner der Theologie des hl. Thomas von Aquin und des sich auf ihn berufenden Thomismus. Zu seinem 60. Geburtstag haben Kollegen zentrale Thomas-Artikel von ihm gesammelt und schön strukturiert mit einem auf eine Ansprache Papst Benedikts XVI. Bezug nehmenden Vorwort in vier Kapiteln neu herausgegeben: Gott – Christus – Sakramente – Ewiges Leben. Dabei werden theologische Fragen, die sich dem kritischen Nachdenken aufdrängen, unideologisch und klar erörtert. Immer hat Schulze auch wichtige Thomas-Gelehrte wie Reginald Garrigou-Lagrange, Johannes Brinktrine, Franz Diekamp, Josef Pieper, Gallus M. Manser und Otto Hermann Pesch…

  • Zensur und kulturelle Dynamik

    Die Theaterzensur im 18. Jahrhundert findet im Spannungsfeld zwischen Liberalisierung und Kontrolle statt. Zensur von literarischem Kulturgut war seit dem Mittelalter kirchlich geprägt, und zwar mit dem angeblichen Ziel, Menschen vor Fehlinformation und moralischem Schaden zu schützen. Allerdings führt auch gut gemeinte Zensur fast immer zur ideologischen Manipulation. Katholiken kennen seit 1559 das Verzeichnis der verbotenen Bücher (in Fachkreisen als Index librorum prohibitorum oder Index Romanus bekannt); auch Theater wurde eifrig zensiert. Am Anfang der in diesem Buch behandelten Epoche ging die Zensurkompetenz von der Kirche auf den Staat über. Jüngere Forschung hat sich zwar ausgiebig mit Bücherzensur beschäftigt, aber Theatralzensur, so behauptet Eisendle, sei noch nie systematisch aufgearbeitet worden…