• Und Gott schuf die Angst

    Burkhard Hofmann praktiziert als Psychotherapeut in Hamburg sowie am Persischen Golf und skizziert in seinem vorliegenden „Psychogramm der arabischen Seele“ ein konträres Islambild, das keineswegs mit den patriarchalen Macho-Mustern europäischer Klischees übereinstimmt. Ausgangspunkt der Schilderungen sind Hofmanns Berufserfahrungen im Umgang mit muslimischen Patienten der oberen Mittelschicht, die er durch anschauliche Falldarstellungen und Erörterungen im tiefenpsychologischen Bereich beleuchtet. Der Mediziner hält fest, dass sowohl religiöse Prägungen als auch traditionelle Familienbilder sowie ein unsicherer Umgang mit der eigenen Sexualität die Gespräche vieler muslimischer Patienten dominieren. Parallel zu den psychologischen Erörterungen mischt Hofmann soziologische Komponenten in nachdrücklicher Brisanz. „Wenn es einen wesentlichen Unterschied zu den Therapien in Hamburg gibt, dann dieses Riesenmaß an…

  • Einheit und Reform in römischer Sicht

    Römische Begegnungen“ – unter diesem Titel erwartet man vielleicht plauderhafte Schilderungen des unfreiwillig emeritierten ehemaligen Präfekten der Glaubenskongregation (2012-2017). Es ist jedoch ein kunstvoll komponiertes, dichtes Grundsatzwerk, das an die Form der platonischen Dialoge anknüpft und allen Gedanken um Einheit und Reform der Kirche eine überschaubare Struktur gibt. Müller spricht von sich in der dritten Person als „der (römische) Kardinal“ und lässt verschiedene Protagonisten auftreten, um seinen klaren Gedanken und auch den verunklärenden Gedanken anderer ein Forum zu bieten. Nach einer Grundsatzbetrachtung „Alle Wege führen nach Rom“ führt der Weg zu einem Frühlingsempfang in der schönen deutschen Botschaft, wo Müller in verschiedenen „Stuhlkreisen“ u.a. Bischöfe, progressive und traditionalistische Theologieprofessoren, eine…

  • Panorama der Renaissance

    Weil Christen glauben, dass Gott die Welt erschaffen hat, sie lenkt, zu einem konkreten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort Mensch geworden ist und den Menschen bis zum Ende der Zeiten nahe ist, kommt kein Theologe um die Beschäftigung mit der Geschichte herum, sei es die biblische Geschichte, sei es die Kirchengeschichte, seien es geistes- und philosophiegeschichtliche Daten und Reflexionen, seien es grundlegende Betrachtungen über Themenkomplexe wie Aufklärung, Moderne, Individualisierung, Säkularisation und deren Einfluss auf religiöses Denken und religiöse Praxis. So verspricht Bernd Roecks Mammutwerk (über 1300 Seiten!) über die Renaissance viele erhellende Einsichten. Es steht in der Tradition massiver Gelehrsamkeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (Arnold Hauser, Egon Friedell),…

  • An Gott glauben ..

    Schaut man von außen auf den christliche Glauben, kann einem dieser schon vorkommen wie ein Grundstück, das von einer hohen Hecke umgeben ist. Der Betrachter kann nicht einschätzen, was sich hinter der Hecke verbirgt: ein verfallener Schuppen – oder ein gepflegter Garten? Und wo wäre überhaupt das Gartentor? Der tschechische Theologe Tomáš Halík nimmt in diesem Buch die Heckenschere zur Hand und schneidet denen, die auf der Suche nach einem tragfähigen Glauben sind, einen Weg in diesen Garten frei. Er bezieht sich dabei auf einen Vorschlag, den Kardinal Ratzinger 2005 an „unsere ungläubigen Freunde“ richtete. Wenn es ihnen nicht möglich sei den christlichen Glauben anzunehmen, könnten sie doch den Gedanken der…

  • Alltagsfähige Mystik

    Das mystische Erbauungsbuch der „Nachfolge Christi“ zählt trotz seines ehrwürdigen Alters zu den zeitlosen Klassikern spiritueller Literatur. Selbst unter Protestanten und Nichtchristen fand das Werk des Augustiner-Chorherren Thomas von Kempen großen Anklang, sodass es nach der Bibel als das weit verbreitetste Buch gehandelt wird. Peter Dyckhoff legt im Benno-Verlag eine neue, am heutigen Verständnis orientierte Übersetzung vor, die keinen Anspruch auf explizite wissenschaftliche Genauigkeit erhebt, wie der katholische Priester im Vorwort offen bekennt, sondern in klarer Sprache das „überaus kostbare Gedankengut und die Glaubenserfahrung“ des Thomas von Kempen in unsere Zeit überträgt. Die „Nachfolge Christi“ gibt eindrückliche Leitfäden für das geistliche Leben, betont die Loslösung von der „vergänglichen Welt“ und…

  • Die Apokalypse

    In Michael O’Briens frisch ins Deutsche übersetztem Buch „Die Apokalypse – Warnung, Hoffnung und Trost“ versucht der Autor, das Buch der Offenbarung für unsere Zeit zu deuten. In einem Vorwort schreibt O’Brien, dass sein Buch nicht den Anspruch erhebt, ein Überlebenshandbuch oder eine Wegbeschreibung durch den Weltuntergang zu sein. Es enthält wenig Theorie, noch weniger Voraussagen, dafür aber viel Nachdenkliches. Wie die Übersetzerin des Buches Gabriele Kuby einleitend festhält, scheint die Wiederkunft Christi und das „Neue Jerusalem“ in einem mythischen Nebel zu verschwimmen, ohne dass sie eine Relevanz für uns Heutige zu haben scheinen. Michael O’Brien stellt dagegen die Frage, ob es in unserer gegenwärtigen Zeit Merkmale gibt, die es…

  • Titelbild Über die weiße Linie

    Ein Priester als Menschenretter

    Der irische Priester Hugh O’Flaherty rettete im Zweiten Weltkrieg mehr als 6.500 Menschen aus 25 Nationen vor Verhaftung, Folter und Tod. Die beiden Autoren setzen dem katholischen Widerstandskämpfer mit der vorliegenden Veröffentlichung ein literarisches Denkmal und schließen zugleich eine klaffende Lücke, eigentlich einen abgrundtiefen Krater, innerhalb der deutschen Publikationslandschaft. Weit entfernt von Don-Camillo-und-Peppone-Geschichten charakterisieren Molfenter und Strempel die leidenschaftlich-dienende Liebe eines Priesters, der mitten im Weltenbrand zwischen Hautfarbe, Rasse, Nationalität und Religion keinen Unterschied zulässt. Nebenher bezeugen 412 Endnoten eine wissenschaftliche Recherchearbeit. Zuweilen wird O’Flaherty als der „Oskar Schindler von Rom“ gehandelt. Zweifellos überblendet dieser Ehrentitel den irischen Charakter. O’Flaherty war weder unternehmerischer Lebemann noch anfänglicher Profiteur des NS-Vernichtungswahns. Sein…

  • Innerlichkeit und Handlung

    Mystik ist kein elitärer Sonderweg, der nur großen Heiligen zugänglich wäre, betont Gotthard Fuchs, der sich schon seit Jahrzehnten intensiv mit Mystik beschäftigt. In jedem Menschen wohnt eine tiefe Sehnsucht, die mehr will als das bloß Alltägliche. Mystiker versuchen nun aber gerade nicht, das Alltägliche abzuwerten. Vielmehr zielen sie darauf ab, dass die Gegenwart Gottes auch im Alltag erfahrbar wird. Dafür ist es entscheidend, ein Bewusstsein eines größeren Zusammenhangs zu entwickeln, der alles trägt, durchdringt und bestimmt. In diesem Bewusstsein gelingt es einem mystischen Menschen, auch im Alltäglichen immer wieder zu entdecken, dass das scheinbar Selbstverständliche gar nicht so selbstverständlich, sondern eigentlich ganz wunderbar und geheimnisvoll ist. So betrachtet kann…

  • (K)ein unbekannter Gott

    P. Martin Ramms Schriften sind immer eine lohnenswerte und geistreiche Lektüre. Sein jüngstes Werk beschäftigt sich mit dem Heiligen Geist, der nach Kardinal Newman für eine zunehmend größere Anzahl von Christen jener „unbekannte Gott“ geworden ist, den Paulus nach Athen getragen hatte. Nun trägt Ramm keineswegs Eulen nach Athen, zumal das europäische Christentum in einer tiefen Identitätskrise steckt und „Christsein“ zum sinnentleerten Wort geworden ist. Der Volksmissioniar betont die innere Abhängigkeit zwischen Christen und dem Heiligen Geist: Ist er es doch, dessen Salbung der Seele die heiligmachende Gnade schenkt und den Verstand mit seinem übernatürlichen Licht erleuchtet. In belebenden sowie reichhaltigen Gedanken erschließt Ramm einen Zugang zum Heiligen Geist, einer…

  • Licht-gewordenes-Geheimnis

    Das Interesse am „Turiner Grabtuch“ ist und bleibt virulent. Von keiner anderen „mutmaßlichen“ Herrenreliquie ging und geht eine derartige Faszination aus. Die Literatur dazu ist breit, besonders Paul Badde (Rom) hat mehrere Bücher dem Turiner Grabtuch und dem Seidentuch von Manopello gewidmet. Einer persönlichen spirituellen Anrufung folgend haben nun die Hofer katholische Autorin Barbara Stühlmeyer und der Bamberger Alterzbischof Karl Braun sich umfassend der Thematik des Grabtuches, aber auch grundsätzlich der Verehrung des Antlitzes Jesu und seiner Ikonen gewidmet. Dabei geht es um einen „spirituellen Türöffner“ (62) für ein Anliegen von Papst Benedikt XVI.: „Wollen wir wirklich das Antlitz Gottes erkennen, haben wir nichts anderes zu tun, als das Antlitz…