• Ein Leben ohne Kompromisse

    Das Buch beschreibt den Lebensweg der Belgierin Julia Verhaeghe (1910–1997) im besonderen Zusammenhang mit dem 1938 von ihr gegründeten „Werk‟, das heute Priester, Laien, geweihte Brüder und Schwestern umfasst. Hier liegt einerseits die gründliche Darstellung vom Lebensweg einer geistlichen Gründungsgestalt vor, andererseits der Bericht über die Entstehung einer Gemeinschaft. In Verhaeghes geistlichem Profil sind die Aspekte der Brautschaft und der geistlichen Mutterschaft besonders prominent. Ihr Lebenswerk hat sie im jungen Alter 1938 mit dem Diözesanpriester Hillewaere privat gegründet. Es wurde 1959 als „pia unio‟ anerkannt und avancierte im Laufe der Jahr zur päpstlichen Anerkennung im Jahr 2001. Die erste Niederlassung der Bewegung außerhalb Belgiens war in Innsbruck, später folgten viele…

  • Pius IX. Biographie

    Der in Senigallia an der Adria geborene Giovanni Maria Mastai Ferretti (1792-1878), seit 1846 Papst Pius IX., wurde zusammen mit dem aus Bergamo stammenden Konzilspapst Johannes XXIII. am 3. September des Heiligen Jahres 2000 seliggesprochen. Gerade mit dieser Parallelität wollte Johannes Paul II. ein Zeichen setzen, gegen das sich reflexartiger Protest erhob. Kurz zuvor hat die „Arbeitsgemeinschaft der Kirchenhistoriker des deutschen Sprachraums“ in einer Erklärung einstimmig gegen die Seligsprechung Pius‘ IX. votiert. Allein aus Rom kam durch den späteren Kardinal Walter Brandmüller (Die Tagespost vom 2. September 2000) kompetenter Widerspruch. Wenn nun einer der damaligen Protestierer, der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf, unter dem Titel „Der Unfehlbare“ eine große Biographie vorlegt,…

  • Meetschen, Anna: Kardinal Stefan Wyszyński

    Das dramatische Leben eines großen Primas und Wegbereiters

    Stefan Kardinal Wyszyński (1901-1981), der Erzbischof von Gnesen und Warschau und damit der Primas der polnischen Kirche, gehört mit dem Kroaten Alois Stepinac und dem Ungarn Jozef Mindzenty zu den großen Lichtgestalten der katholischen Hierarchie in den totalitären Staaten des 20.Jahrhunderts. Ihn zeichnete nicht nur Mut und Bereitschaft zum Martyrium aus, sondern auch eine außerordentliche diplomatische Klugheit im Umgang mit Machthabern, ohne dabei wesentliche Prinzipien zu verraten. Seine klare Mannhaftigkeit haben einige als autoritär empfunden, kannten aber nicht den inneren und väterlichen Kern seines Wesens als Mensch und Bischof. Behutsam hat er nachkonziliare Neuerungen eingeführt, den Kern des Hochgebetes immer lateinisch gesprochen und an der Mundkommunion festgehalten. Getragen und gehalten…

  • Keineswegs bloßes Wünschen

    Erste Früchte an literarischer Produktivität während der Corona-Krise sind inzwischen soweit gediehen, dass sie sich ernten lassen, so auch dieses Buch. Eigentlich hätte Jean-Claude Wolf, emeritierter Professor für Ethik und politische Philosophie an der Universität Fribourg, einen Vortrag für ein Symposium zum Thema Gebet vorbereitet, doch dann kam der Lockdown dazwischen. Aus dem Kolloquium entstand ein Büchlein mit 138 Seiten, das zu einem Parforceritt durch eine Gebetsphilosophie ansetzt. Die Kapitel sind etwas lose zusammengesetzt, wozu der konzipierte Vortragsstil wohl das Seinige beitrug. Wolf beginnt mit Gedanken des dialogischen Religionsphilosophen Martin Buber, der für die philosophische Verächtlichmachung des Gebetsgeschehens den Amsterdamer Freigeist Spinoza im 17. Jahrhundert ausmacht. Dessen System lässt nur…

  • Pastoraltheologie bei Benedikt XVI.

    Der Frage, was für eine Pastoraltheologie sich im Werk Joseph Ratzingers/Benedikts XVI. ausdrückt, ist bisher kaum nachgegangen worden. Sein Profil ist eher systematisch das eines „Theologenpapstes“, als pastoral wie bei seinem Nachfolger Papst Franziskus oder beim hl. Papst Johannes XXIII., der das Zweite Vatikanische Konzil ausdrücklich als „Pastoralkonzil“ werten wollte. Doch die Gegenüberstellung von pastoralem und dogmatischem Denken kann einem echten katholischen Theologen und Kirchenmann nicht gerecht werden. Es daher sehr zu begrüßen, dass mit P. Thiemo Klein LC, derzeit Studentenseelsorger an der Katholischen Hochschulgemeinde Wien, ein Kenner der Schriften Ratzingers der Frage nach dessen „Pastoraltheologie“ in einer übersichtlichen wissenschaftlichen Forschungsarbeit nachgeht. Auch wenn Ratzinger nicht als Pastoraltheologe, sondern eher…

  • Einfältige Charismatik?

    Der 1767 heiliggesprochene Franziskaner-Konventuale Josef von Copertino (1603-1663) ist bekannt als der „Heilige der Flüge“ und war im 17. Jahrhundert bei Volk, Adel und Klerus auch durch andere Wundertätigkeit einer der populärsten Männer der Kirche. Es ist vielfach glaubwürdig bezeugt, dass Bruder Josef an die 70 Mal frei in der Luft geschwebt hat und damit über die Gnadengabe der Levitation/Elevation verfügte. Seine Heiligkeit bestand aber nicht darin, sondern in der Art, wie er sich demütig, geduldig und „heroisch“ den Anweisungen der Inquisition und seiner Oberen fügte. Walter Nigg nahm ihn auf in sein bekanntes Buch „Große Heilige“ und widmete ihm dort unter dem Titel „Der einfältige Charismatiker“ ein schönes Porträt.…

  • Gelitten oder gebraten worden?

    Der heilige Laurentius zählte zu den sieben Diakonen der Stadt Roms und errang unter der valerianischen Christenverfolgung gemeinsam mit Papst Sixtus II. die Palme des Martyriums. Als „Schatzmeister der Reichtümer Gottes“ sicherte sich der Levit seinen Platz in den Annalen der Kirchenväter und Hagiographen. In Laurentius Gestalt verschmilzt der Archetyp des Jerusalemer Stephanus, der für die Integrität der Offenbarung vor dem Lebensopfer nicht zurückschreckte, mit dem Gegenpart des Verräters Judas Iskariot, dessen Sorge um die Armen von seiner Gier verzehrt wurde. Als heißbegehrter Patron und Fürsprecher ist der heilige Levit Schirmherr vieler katholischer Kirchen und darüber hinaus Patron der ältesten Kathedrale Skandinaviens, dem Dom zu Lund in Südschweden (konsekriert 1145),…

  • Er sagt’s in vollem Glauben

    Wenn Amos Oz die Rolle des großen Romanciers des modernen Israels zukam, so war Jehuda Amichai die große lyrische Stimme des Gelobten Landes, das man „nach Touristenführern und Gebetbüchern“ (66) einfach nur lieben kann. Amichai wurde 1924 in Würzburg als Ludwig Pfeuffer geboren. Streng jüdisch-orthodox erzogen, wanderte die Familie bereits 1935 aus, um dem Nazi-Regime lebend zu entkommen. Sein anschließendes Leben verbrachte er in Jerusalem, mit einigen wenigen Unterbrechungen, um etwa in Berkeley oder New York Gastprofessuren für Poetik wahrzunehmen. Im Zweiten Weltkrieg kämpfte Amichai in der Jüdischen Brigade der britischen Streitkräfte. Diesen Kampf setzte er im Israelischen Unabhängigkeitskrieg fort. Seine Kriegserlebnisse hinterließen bei Amichai tiefgreifende Spuren. So einiges habe…

  • Christlich-jüdischer Dialog

    Walter Kardinal Kasper ist neben Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. der führende katholische Theologe der Gegenwart und kann auf ein großes Werk zurückblicken. Er stand im Vertrauen der Päpste und war von 2001-2010 als „Ökumene-Kardinal“ Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und der religiösen Beziehungen zum Judentum. Nun hat er aus dieser Zeit einige Artikel, Vorträge und Referate zum internationalen Dialog zwischen Juden und Christen gesammelt vorgelegt und seinen „jüdischen Freunden in tiefer Verbundenheit gewidmet“. Vorangestellt ist ein neuer etwas längerer Aufsatz „Juden und Christen – Neuanfang nach der Katastrophe der Schoah“, der der oft verwirrenden Geschichte des jüdisch-christlichen Verhältnisses nachgeht. Der Artikel ist fast lexikalisch und sieht…

  • Die Schätze des Depots

    In diesem ästhetisch gelungenen, inhaltlich kurzweilig und freundlich gestalteten Band ist die „Depotoffensive“ des Landes Niederösterreich Thema. Von 2013 bis 2017 hat das Institut für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien für das Land Niederösterreich die Sammlungen von sechs Klöstern und Regionalmuseen neu geordnet, inventarisiert, konservatorisch überarbeitet und fachgerecht gelagert. Ziel war stets ein Zweifaches: die Bestände vor Schäden zu schützen und in einer besseren Weise zugänglich zu machen. Wer ein trockenes Buch über Konservierungstheorie und Archivbauten erwartet, wird enttäuscht sein. Das Buch sprudelt vor lauter Begeisterung und Elan. Da sehr viel von der Arbeit von Studenten, Praktikanten oder Freiwilligen geleistet wurde, äußert sich deren Begeisterung in…