Duc in altum…

Das vorliegende Pilgergebetsbuch ist ein weiterer Baustein im Editionskorpus des engagierten Publizisten Fabian Brand. Der geistliche Wegweiser hilft sowohl Individualreisenden als auch Teilnehmern größerer Reisegruppen bei der Planung, Ausführung und als Vademecum direkt vor Ort. Neben dem Augenmerk auf allseits bekannte heilige Stätten, fokussiert der Reisebegleiter auch Orte in Israel, Palästina, Jordanien und der Sinaihalbinsel abseits der großen Pilgermassen.

Brand: Pilgerführer Wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn

Jedem biblischen Schauplatz geht eine prägnante, auf die Pilgerschaft zugeschnittene, geschichtliche Hinführung voraus, sodass sich der Pilger auch in den historischen Kontext einzubetten vermag. Ein oder mehrere biblische Texte der revidierten Einheitsübersetzung folgen dieser Groborientierung und schaffen den Auftakt zu einem wünschenswerten Gottesdienst an Ort und Stelle. Die daraus aufkeimende Gebetsatmosphäre unterscheidet den christlichen Pilger vom eindruckerheischenden Touristen. In den allermeisten Fällen vertiefen treffende sowie einprägsame Impulsgedanken, die auch als Kurzpredigt interpretiert werden könnten, den Duktus der Schriftworte. Ein aktiver Gebetsteil, bestehend aus ortsbezogenen Fürbitten und einem Abschlussgebet, vervollständigt die Andacht, womit die wichtigsten Elemente einer Wort-Gottes-Feier vorhanden wären. Jeder Teil ist durch ein optisches Symbol auf den ersten bzw. schnellen Blick unkompliziert identifizierbar. Im Anhang beherbergt das Büchlein eine Blütenlese aus dem neue Gotteslob und modernen geistlichen Liedern, ebenso Modelle für ein Morgen- und Abendlob sowie das Nachtgebet. Die weiteren Grundgebete können je nach Anlass herangezogen werden.

Das Pilgergebetbuch ist vom Herausgeber ökumenisch intendiert. Aus diesem Grund könnten sich mitunter „katholische Einbußen“ ergeben, wenn zum Beispiel die vorgeschlagenen Texte zur Primatskapelle den Primat Petri unerwähnt lassen oder im Abschnitt der Verkündigungsbasilika marianischer Geist vermisst wird. Die beiden Marienlieder im Appendix („Freu dich, Du Himmelskönigin“ und „Maria durch ein Dornwald ging“) gleichen dieses Manko nur teilweise aus. Tiefsinnige Gedanken und Kenntnisse über das Heilige Land verdankt Brand sicher auch seinem Theologischen Studienjahr in der Dormitio Abbey. Nicht nur in Caesarea Philippi, einer Schlüsselszene im Leben Petri und seiner Mitapostel, besticht der junge Dissertant in seltenen Gedanken mit enormer Sprengkraft: In Sichtweite der heidnischen Heiligtümer und des prächtigen Augustustempels bekennt Simon Jesus als den „Sohn des lebendigen Gottes“. Nicht Caesar, selbsternannter göttlicher Sohn, sondern der Nazarener ist der wirkliche Sohn des lebendigen Gottes.

304 Seiten im Taschenbuchformat liefern viel Text zur Auswahl. Ein Lesebändchen würde neben einer geringeren Papierstärke zur Benutzerfreundlichkeit verstärkt beitragen, ebenso der Hinweis auf den sensiblen „status quo“ in der Grabeskirche oder das Bakschisch für das Betreten der Ölbergkapelle. Trotz aller diskussionswürdigen Einwände ein respektables Pilgergebetbuch, das tiefer (duc in altum) in das Geheimnis des Heiligen Landes einführt.

Thomas Mayrhofer

Brand, Fabian: „Wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn“. Texte, Gebete und Lieder für die Pilgerreise ins Heilige Land, Bonifatius 2017, 304 Seiten, ISBN: 9783897107281 € 25,-

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

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