Ein unbekannter Märtyrer

Allgemein bekannt ist das Auschwitz-Martyrium des hl. Maximilian Kolbe OFM, nicht weniger ergreifend ist das Zeugnis des 1999 mit 107 anderen Märtyrern seliggesprochenen Kapuziners Anicet Koplin, der am 16. oder 24. Oktober 1941 in Auschwitz ermordet wurde. Seine Mutter war evangelische Preußin, sein Vater Katholik. Im Ersten Weltkrieg verfasste Koplin noch patriotische Gedichte für deutsche Soldaten, 1918 wurde er von der Ordensleitung aus dem Ruhrgebiet abberufen nach Warschau, um dort beim Wiederaufbau des Ordens zu helfen. Er entwickelte sich zu einem „Vater der Armen“ in Warschau, solidarisierte sich immer mehr mit Polen und änderte sogar seinen Namen in Koplinski. Er war Beichtvater für viele, auch hohe Kleriker wie Nuntius Achille Ratti, den späteren Papst Pius XI.

Der tief gläubige Kapuziner half Juden beim Verstecken und rettete sich 1939 nicht mit Berufung auf seine Herkunft vor der Verfolgung. Der mögliche Patron deutsch-polnisch-jüdischer Versöhnung kann mit der neuen vorzüglichen Kleinschrift aus dem Christiana Verlag (Kisslegg) nun näher entdeckt werden. Auch bisher unveröffentlichte Dokumente sind dort einsehbar. Durch die allgemeine Einführung und den sachlichen Stil ist das Buch besonders der Jugend als Lektüre zu empfehlen.

Stefan Hartmann

Block, Wieslaw: Der selige Anicet Koplin. Ein deutscher Patriot und Priester im Lager von Auschwitz, Christiana-Verlag 2019, 79 Seiten, ISBN: 9783717113119 € 4,95

Koplin, Anciet / Märtyrer /

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