Ethik des Besseren

Matthias Beck setzt sich mit einem Thema auseinander, das in der heutigen Gesellschaft ambivalent präsent ist. Freiheit wird oft missverstanden bzw. immer wieder zu relativieren versucht. Freiheit und Christentum widersprechen sich laut Meinung vieler Menschen sogar. Beck beweist in seinem Buch, dass dieses Denken durchaus ein Irrtum ist und dass sich der Christ zu einem völlig freien Mensch entfalten kann.

Am Anfang des Buches finden sich eine Hinführung und einige Überlegungen zum Thema „Ethik“ und „Moral“. Wo liegt der Unterschied zwischen den beiden Begriffen? Welche inneren und äußeren Haltungen werden als Maßstab für das ethische Handeln benutzt? Beck erinnert daran, dass sich neben der philosophischen Ethik auch die Religionen mit den Normen und Regeln, die dem menschlichen Handeln Orientierung geben, befassen und er weist auf den größten Unterschied zwischen ihnen hin: Das Christentum bietet als einzige Religion innere Befreiung an.

Die Hinführung zum eigentlichen Thema des Buches schließt er mit der Darstellung einer interessanten Korrelation zwischen „müssen“, „sollen“ und „wollen“. Gott möchte, dass Menschen in Freiheit leben und sich frei entfalten können. Seit der Verbannung aus dem Paradies ist sein „Wollen“ mit einem „Müssen“ oder „Sollen“ untrennbar verbunden (zB. Willst du leben, musst du essen und trinken“).

Im ersten Teil des Buches (Bilder vom blühenden und entfalteten Leben) setzte der Autor seine Gedanken zum menschlichen „Sein“ fort. Das Leben eines Menschen wird mit einem Apfelbaum, der gute Früchte bringen soll, verglichen. Der Mensch kann sich allerdings, im Gegensatz zum Baum, frei zwischen „sollen“, „müssen“ und „dürfen“ entscheiden und somit am göttlichen Plan mitwirken oder nicht.

In den weiteren Absätzen des Kapitels baut Beck eine Brücke zum Anfang des Buches. Durch zahlreiche Beispiele und Geschichten aus der Heiligen Schrift (u. a. das Gleichnis über die Talente – Mt 25 und die Seligpreisungen aus der Bergpredigt Mt 5) wird erörtert, dass die echte Freiheit des Menschen ausschließlich in Anbindung an Gott möglich ist. Nur so kann ein Mensch seine eigenen Emotionen und Motive richtig verstehen und deuten und sich in weiterer Folge in Freiheit entfalten und in Frieden leben. Nur durch Selbsterkenntnis ist es möglich, den göttliche Anweisungen zu folgen und sich an die Vollkommenheit anzunähern.

Der Leser findet ebenfalls einige wertvolle Gedanken zum Thema Liebe (Selbstliebe, Gottliebe, Nächstenliebe) und der Dreifaltigkeit des einen Gottes. Matthias Beck sieht einen Zusammenhang zwischen den drei oben angeführten Arten der Liebe und der Dreidimensionalität und Dreifaltigkeit Gottes. Er beweist somit, dass der christliche Gott ein Gott der Entfaltung und Erfüllung und das Christentum selbst eine Religion der Beziehung und der Entwicklung ist.

Im zweiten Teil des Buches (Was blockiert das Blühen und die Entfaltung?) beschäftigt sich der Autor mit weniger günstigen Rahmenbedingungen für die freie Entfaltung des Lebens. Nicht selten trifft man im Alltag auf innere und äußere Blockaden und Hindernisse, die die Freiheit einschränken. Viele von ihnen sind einem absolut bekannt, trotzdem macht man sich immer wieder neu von ihnen abhängig. Man vergisst, dass nur die Abhängigkeit vom absolut freien Gott auf Dauer frei machen kann. Man vergräbt seine Talente und wird müde auf der Suche nach dem Willen Gottes.

Den letzten Teil des Buches (Praktische Hinweise) widmet Beck den praktischen Hinweisen, wie man sich nicht entmutigen lassen kann und immer wieder neu nach der Wahrheit suchen soll. Er lässt somit den Leser nicht ohne Antwort und gibt konkrete Tipps, wie man auf die göttliche und innere Stimme hören soll (Unterscheidung der Geister). Seine Ratschläge sind bestimmt für viele nicht unbekannt: verweilen im Schweigen und in der Stille und Teilnahme an Exerzitien, um die eigene Selbsterkenntnis zu fördern und die eigenen Gefühle und Gedanken ordnen zu können. So wenig und gleichzeitig so viel für den heutigen Menschen, der die inneren Stimmen und Seelenregungen eher durch das Wetter, Hormone oder Komplexe erklären möchte. Auf die Idee, dass es die Stimme Gottes sein könnte, die da im Innern spricht, kommt der Mensch nämlich (wenn überhaupt) zuletzt.

Das Buch ist allen zu empfehlen, die das Thema ‚Freiheit‘ beschäftigt. Man liest es dank der einfachen Sprache und dem logischen, strukturierten Aufbau sehr schnell. Ein großer Gewinn sind auch die zahlreichen Anbindungen an die Hl. Schrift und Zitate aus ihr, sowie Gedanken von bekannten und anerkannten Philosophen und Theologen (Meister Eckart, Karl Rahner), die passend den Inhalt der einzelnen Kapitel ergänzen.

Faustine Malodobry

Beck, Matthias: Was uns frei macht. Für eine Spiritualität der Entfaltung, Verlag Styria 2018, 160 Seiten, € 20, ISBN: 9783222136054

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz.

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