Für eine eucharistische Erneuerung

Für die Kirche ist die Feier der Eucharistie das innere Zentrum der Kirche Jesu Christi: Nachvollzug seiner Weisung »Tut dies zu meinem Gedächtnis« und fortwährendes Gedenken seiner erlösenden Lebenshingabe am Kreuz und seines österlichen Sieges über den Tod. Deshalb ist die Einheit in der Eucharistie für das katholische Verständnis gleichbedeutend mit der ökumenischen Einheit der Kirche. Der Band zur Feier des siebzigsten Geburtstags von Kurt Kardinal Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, versammelt namhafte Theologen, um die Botschaft der biblischen Texte und der kirchlichen Lehre für die heutige Praxis der Eucharistie fruchtbar zu machen, zumal für Koch die gelebte eucharistische Mitte ein bleibendes Anliegen ist. Die Beiträge tragen zur Verlebendigung des eucharistischen Glaubens und zum tieferen Verständnis der Eucharistie bei und helfen, die Liebe zum eucharistischen Herrn neu entzünden und zu vermehren.

„Die Feier der Eucharistie ist der vorzüglichste Ort der Gottesbegegnung; in ihr gibt Gott uns Anteil an seinem göttlichen Leben. In der Eucharistie ist die Liebe Gottes als Gabe in ihrer Fülle präsent. Diese eucharistische Präsenz als Gabe seiner vollkommenen Liebe eröffnet ein multidimensionales Verständnis, im Geheimnis der Eucharistie zu erahnen und zu erfahren, was unser Wünschen und Denken übersteigt, denn es ist der auferstandene Herr selbst, der in der Eucharistie mit seinem ganzen Erlösungswerk sakramental gegenwärtig ist und heilschenkend handelt.

Die Eucharistie ist die Summe des christlichen Glaubens und Kern und Mitte des christlichen Lebens. Sie ist auch die Grundlage des katholischen Kirchenverständnisses; denn die Kirche feiert Eucharistie als Quelle und Höhepunkt ihres Lebens. Die Kirche ist aus der Eucharistie geboren, und die Eucharistie formt die Grundlage, warum und wozu es Kirche gibt. Indem die Kirche Eucharistie feiert, wird sie fortwährend ernährt, stetig erneuert und ständig aufgebaut.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat daher alles, was die Kirche ausmacht und tut, ihre Sakramente, ihre Ämter und Dienste, ihre apostolischen und diakonischen Tätigkeiten, zusammenfassend eindeutig auf die Eucharistie hingeordnet. Das Geheimnis der Eucharistie zu verstehen, zu leben und feiern ist ein lebenslanger geistlicher Prozess für jeden einzelnen Gläubigen und für die Kirche als Ganze – zumal in einer Zeit, in der das Verständnis für Eucharistie zunehmend verdunstet und der eucharistische Glaube verlorenzugehen scheint. Die tiefe Bedeutung des Sakraments aller Sakramente wird dann ansichtig, wenn wir es glaubend verstehen und verstehend glauben, liebend feiern und feiernd lieben, um uns in das Geheimnis der Selbsthingabe Jesu hineinnehmen zu lassen und darin hoffnungsfroh zu wandeln. Diese ständige Verlebendigung des eucharistischen Glaubens ist die ureigene Sendung der Kirche. Die Eucharistie verleiht der Kirche ihre spirituelle Identität: als Werkzeug des Heils die Erlösung Jesu Christi gegenwärtig zu setzen.

Wo die Eucharistie als Ort der Begegnung mit Gott und als Ort der Verherrlichung Gottes glaubend gefeiert und gelebt wird, dort entfaltet sich eine neue spirituelle Kraft in der Kirche. Das Gebot der Stunde ist daher eine dringend notwendige spirituelle Wende in der Kirche. Nur durch die Verlebendigung des eucharistischen Glaubens entstehen die Bedingungen, welche gewährleisten, dass die Gemeinschaft der Gläubigen in der Beziehung zu Jesus Christus weiterwächst.“ (aus dem Vorwort)

Augustin, George (Hg.): Eucharistie. verstehen – leben – feiern, Festschrift für Kurt Kardinal Koch, Matthias-Grünewald-Verlag 2020, 360 Seiten, € 25,- ISBN: 978-3786732075

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